Artikelserie-Börse der Weg zur Aktie 7-Optionsscheine

March 25, 2010 by
Filed under: Börsenwissen 

Während ich im letzten Artikel der Artikelsere Börse der Weg zur Aktie auf Zertifikate eingegangen bin, so möchte ich diesmal das Thema Derivate mit Optionsscheinen fortführen. Optionsscheine gehören da vor allem zu der Klasse der Hebelprodukte. Diese ermöglichen einem Anleger mit wenig Kapitaleinsatz deutlich größere Kapitalmengen zu bewegen und damit überproportional an Kurssteigerungen, aber auch an Verlusten beteiligt zu sein. Dabei ist dies für den Privatanleger oft ein zweischneidiges Schwert, denn ohne ein funktionierendes Risiko- und Moneymanagement wird früher oder später das Depot gegen die Wand gefahren. Das Hauptproblem ist dabei meist sich auf eine verändernde Volatilität und Marktgegebenenheiten einzustellen, dies ist auch meist einer der Hauptgründe warum gestandene Investmentbanken in den Ruin schlittern. Als Privatanleger sollte man daher tunlichst die Finger von Optionsscheinen lassen, außer man hat schon langjährige Erfahrungen an den Kapitalmärkten gesammelt.

Optionsscheine

Optionsscheine auf deutsche Aktien werden hauptsächlich an der größten Europäischen Börse für verbriefte Derivate an der EUWAX dem Segment der Börse Stuttgart gehandelt. Dabei gibt es zwei verschiedene Arten von Optionsscheine. Je nachdem ob man auf steigende oder fallende Kurse setzen möchte.

Call-Optionsschein:

Durch einen Call Optionsschein erwirbt der Anleger die Möglichkeit, also das Recht und nicht die Pflicht zu einem vorher bestimmten Preis einen Basiswert wie zum Beispiel eine Aktie zu einem späteren Zeitpunkt zu erhalten. Hier gibt es zwei Varianten. In der Europäischen Form des Optionsscheins kann der Anleger nur zum Ende der Laufzeit sein Recht ausüben. In der amerikanischen Variante hat der Anleger die ganze Zeit, also an jedem Bankarbeitstag, während der Laufzeit das Recht die Option auszuüben. Heutzutage werden die meisten Optionsscheine nach der Amerikanischen Variante gestaltet. In beiden Fällen erhält der Anleger den Basiswert vom Emmitenten eines Optionsschein, meist der Emissionsbank. Hier tritt also auch wieder wie bei den Zertifikaten ein sogenanntes Emmitentenrisiko auf.
So erwirbt zum Beispiel ein Anleger für 10 Euro das Recht über eine Option eine Aktie zu einem Kurs von 100 Euro zu kaufen. Steigt die Aktie während der Laufzeit über 110 Euro dem Break Even Kurs so gewinnt der Anleger, hier jedoch überproportional. Zum Beispiel würde die Aktie auf 200 Euro steigen, hätte der Anleger einen Gewinn von 90 Euro erzielt und das bei einem Einsatz von nur 10 Euro. Sinkt nun aber die Aktie auf unter 100 Euro so tritt für den Anleger ein Totalverlust auf und sein gesamtes in den Optionsschein investiertes Geld ist verloren, da er durch das Ausüben der Option keinen Vorteil mehr gegenüber einem Erwerb der Aktie über die Börse hat.

Put-Optionsschein:

Das Gegenstück zum Call-Optionsschein stellt der Put-Optionsschein dar. Hier spekuliert der Anleger nicht auf steigende Kurse, sondern darauf, dass der Kurs des Basiswertes während der Laufzeit fällt. Hier erwirbt der Anleger das Recht einen bestimmten Basiswert während der Laufzeit nach amerikanischer Version oder zum Ende der Laufzeit nach europäischer Version zu einem bestimmten Preis zu verkaufen.
Zum Beispiel erwirbt man als Anleger für 10 Euro das Recht eine bestimmte Aktie zu einem Preis von 100 Euro während der Laufzeit zu verkaufen. Sinkt dann nun der Kurs der Aktie unter 90 Euro, also Basispreis minus Optionspreis, so erzielt der Anleger einen Gewinn. Während bei einem Call-Optionsschein theoretisch der Gewinn unbegrenzt steigen kann, so kann eine Aktie nur auf den Wert 0 fallen. In diesem Beispiel würde bei einer Pleite des Aktienunternehmens und einem Aktienkurs von 0 Euro, bei diesem Put-Optionsschein ein Gewinn von 90 Euro erzielen, bei einem Einsatz von 10 Euro. Steigt der Kurs der Aktie allerdings über den Basispreis, so ist die Put-Option wertlos und der Anleger würde einien Totalverlust erleiden.

Wichtige Bezeichnungen bei Optionsscheinen

Bezugsverhältnis: Das Bezugsverhältnis gibt an, wie viele Anteile eines Basiswert mit einer Option erworben werden können. Bei Aktien ist dies oft 1:1, allerdings sind auch gerade bei Indizes wie dem DAX auch kleinere Bezugsverhältnisse, beispielsweise 100:1. Dadurch kann man auch mit kleinerem Einsatz auf die Entwicklung eines Aktienindex spekulieren.

Der Optionsscheinpreis: Der Preis für einen Optionsschein zu bestimmen ist eine mathematisch höchst komplexe Angelegenheit. So komplex, dass die beiden Amerikaner Fischer Black und Myron Scholes für ihre Entwicklung im Jahr 1979 der sogenannten Black-Scholes Formel, mit der Optionsscheinpreise bestimmt werden können, gleich im Jahr 1997 den Wirtschaftsnobelpreis verliehen bekommen haben.
Der Preis eines Optionsscheines setzt sich aus dem sogenannten Inneren Wert und Zeitwert zusammen. Der innere Wert hängt nur von dem Kurs des Baiswertes und dem Basispreis ab, natürlich im Verhältnis des Bezugsverhältnis. Der Zeitwert jedoch hängt von der Wahrscheinlichkeit ab, dass der Optionsschein am Ende seiner Laufzeit einen positiven Wert aufweist. Am Laufzeitende besteht nur noch der innere Wert eines Optionsschein.

Volatilität: Der Zeitwert wird dabei von mehreren Einflussfaktoren bestimmt. Wichtigster Parameter ist dabei immer die Volatilität, also die Schwankungsbreite des Basiswertes. Steigt die Volatilität so steigt auch der Preis einer Option, denn es wird wahrscheinlicher das während der Laufzeit der Optionsschein einen positiven Wert aufweist. Da allerdings für die kommende Laufzeit die Volatilität nicht bekannt ist, so ist die implizierte Volatilität die entscheidende Größe, also die zu erwartende Schwankungsbreite. Durch die Veränderungen der Volatilität können manchmal merkwürdige Effekte auftreten. So kann beispielsweise bei einem Call Optionsschein der Kurs steigen, weil aber gleichzeitig die Volatilität stark sinkt, sinkt der Optionspreis.

Zinsen und Dividenden Zinsen und Dividenden spielen beim Optionspreis auch eine Rolle, da der Halter des Basiswertes entweder durch Dividenden Erträge generiert oder Zinskosten aufzuwenden hat.

Die dynamischen Kennzahlen auch “die Griechen” genannt

Delta: Delta gibt die Auswirkungen auf den Optionspreis wieder, die durch eine Kursänderung des Basiswertes hervorgerufen wird.
Gamma: Gamma wiederum gibt die Auswirkungen auf das Delta wieder , wenn eine Kursänderung des Basiswertes eintritt.
Theta: Theta gibt wieder, wie sich der Preis einer Option ändern würde, wenn sich die Laufzeit um einen Tag verkürzt werden würde.
Vega oder auch Lambda: Vega gibt an wie sich der Optionspreis ändern, wenn sich die Volatilität um einen Prozentpunkt ändert.
Rho: Das Rho gibt an wie sich der Optionspreis bei einer Änderung des risikolosen Zinssatzes ändert.

Der Hebel eines Optionsscheines

Der Hebel ist eine der wichtigsten Größen für das Risikomanagement, daher ist es besonders wichtig auf ihn zu achten. Bei einer Option ist er allerdings nicht so einfach ablesbar sondern nur in zwei Schritten zu bestimmen.

Der einfache Hebel ergibt sich aus dem aktuellen Kurs des Basiswertes geteilt durch den aktuellen Kurs des Optionsscheines multipliziert mit dem Bezugsverhältnis. Kurs des Basiswertes / (Optionsscheinpreis x Bezugsverhältnis)

Omega: Allerdings bewegen sich Optionsscheine nicht 1:1 zum Aktienkurs, daher muss aus dem einfachen Hebel der tatsächliche Hebel bestimmt werden. Dieser ist als Omega bezeichnet. Omega erhält man indem man den einfachen Hebel mit delta multipliziert.

Bisher erschienene Teile der Artikelserie

Teil 1 – Was ist die Börse?
Teil 2 – Die Handelszeiten der Börsen
Teil 3 – Die Chartarten
Teil 4 – Was ist eine Aktie?
Teil 5 – Anleihen
Teil 5 – Anleihen-2
Teil 6 – Zertifikate

Ähnliche Artikel auf Spekulantenblog.de:

  1. Artikelserie-Börse der Weg zur Aktie 6-Zertifikate In den letzten Artikeln der Artikelserie Börse der Weg zur Aktie bin ich auf die Aktie selbst und auf Anleihen eingegangen. Dies sind auch die wesentlichen Anlageobjekte mit denen sich...
  2. Artikelserie-Börse der Weg zur Aktie 5-Anleihen-2 Ich hatte ja schon in dem letzten Artikel der Artikelserie-Börse der Weg zur Aktie über die Anleihen gesprochen. Hier bin ich vorallem auf die verschiedenen Formen und Arten der verschiedenen...
  3. Artikelserie-Börse der Weg zur Aktie 5-Anleihen Zwar sind die meisten Privatanleger an der Börse wohl am meisten an Aktien interessiert und auch die Börsenberichterstattung dreht sich vor allem um die Aktien, aber man sollte wenn man...
  4. Artikelserie-Börse der Weg zur Aktie 8-CFD Zum Abschluss der Vorstellung der derivativen Produkte auf Aktien möchte ich in diesem Artikel der Artikelserie Börse der Weg zur Aktie noch eine weitere Gattung vorstellen die CFD abgekürzten Contracts...
  5. Artikelserie – Börse der Weg zur Aktie 9 – Ordertypen Wer sich zum ersten mal mit dem Thema Aktien beschäftigt, wird meist davon ausgehen das man dabei zwei Optionen hat. Entweder kauft man eine Aktie oder verkauft sie. Für die...

Trackback URL für diesen Artikel: trackback

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann abonnieren Sie doch den RSS Feed und bleiben Sie so auf dem Laufenden, Sie können aber auch die Kommentare verfolgen RSS Comment Feed.

Sie können dem Autor nun auch über Twitter folgen

Kommentare

Sag mir deine Meinung und hinterlasse einen Kommentar...
und wenn du ein Bild neben deinem Kommentar anzeigen möchtest, dann hol dir einen gravatar!





Die Abgabe eines Kommentars ist freiwillig, durch das Absenden eines Kommentars willigen Sie in die Speicherung der eingegebenen Daten und der IP ein. Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.