Artikelserie Teil 2 – Die richtige Wahl des Stoppkurses für den mittelfristigen Anleger

September 17, 2009 by
Filed under: Börsenwissen 

Nachdem ich im Teil 1 der Artikelserie über das Setzen von Stoppkursen für langfristige Anleger diskutiert habe, werden in diesem Artikel nun die Stoppkurse für einen mittelfristigen Horizont behandelt. Mittelfristige Anleger sind für mich hierbei diejenigen, die Aktien, Rohstoffe etc. für einen Zeitraum über Wochen oder Monate halten wollen. Sie wechseln recht häufig die Anlageklasse um jeweils von aktuellen Trends an den Börsen zu profitieren. Dies ist sicher auch für Privatanleger wohl mit eine der am häufigsten gewählten Zeiträume zum anlegen, da es sich auch nebeben einem Beruf anbietet zu handeln, indem man jeweils Abends seine Positionen durchgeht und gegebenenfalls Oders für den nächsten Tag platziert.

Im Gegensatz zum Langfristanleger, kann der Stoppkurs viel aktiver in die eigene Strategie eingebaut werden und es ist auch zwingend nötig einen zu haben. Denn aus vielen kurzfristigen Engagements ist durch bloses Aussitzen um die Verluste zu vermeiden schon eine Langfristanlage geworden. Wenn man nur einen mittelfristigen Zeitraum sich als Anlagehorizont legt, sollte man in jedem Fall dafür sorge tragen, die Position wieder zu schliessen, wenn sie eben nicht nach den eigenen Erwartungen läuft. Besonders wichtig ist dabei ein Regelwerk, dass die menschliche Psyche und subjektive Wahrnehmung ausschaltet, denn hierbei ist man oft nicht mehr zu einer objektiven Bewertung des eigenen Investments in der Lage und glaubt durch Aussitzen aus den Verlusten wieder rauszukommen. Dies geht einge Male gut. Besonders wenn man auf steigende Kurse gesetzt hat glaubt man das irgendwann die Aktie wieder steigen müsste. Doch treten unvorhergesehene Ereignisse auf, oder gar die Firma geht Pleite dann wird oft der Verlust meist richtig schmerzhaft. Darüber hinaus ist man so meist über lange Zeit an einen Wert gebunden und verpasst in der Zeit andere vielleicht sogar lukrativiere Anlagen.
Wie schon im ersten Artikel betont, ist der Stoppkurs das wichtigste Instrument Risiko beherschbar zu machen. Setzt man keinen, hat man latent immer den Totalverlust als Risiko das man eingeht. Die zu erwartende Chance muss immer in einem vernünftigen Verhältnis zu dem eingegangen Risiko gewählt werden um an den Börsen erfolgreich zu sein. Ein Chance-/Risikoverhältnis von mindesten 2:1 ist anzustreben.

Man muss aber jedoch auch hier Sorge tragen den Stopp nicht zu eng zu setzen, um nicht allein durch die Volatilität reihenweise ausgestoppt zu werden. Die Wahl des Stoppkurses setzt dabei meist ein sehr gutes Gespühr für den jeweiligen Wert vorraus um einschätzen zu können welche Schwankungen auftreten können und welche davon noch in einem akzeptablen Rahmen sind. Eine allgemeine Faustformel wie z.B. 5% unter dem Einstiegskurs kann man hier nicht geben.

Wichtiger Grundsatz bei der Wahl des Stoppkurses sollte immer die eigene Einschätzung des bestimmten Wertes sein, dass heißt der Stoppkurs sollte an den Punkt gelegt werden, so dass deutlich wurde, dass die ursprüngliche Idee zum Investment nicht aufgegangen ist. Man kann aber auch soweit gehen, dass man Zeitstops einsetzt. Das heißt, wenn sich der Wert innerhalb eines gewissen Zeitraums nicht in die erwartete Richtung bewegt hat, sondern vielmehr in einer gewissen Range verharrt ohne das erkennbar wird in welche Richtung sich der Wert entwickelt, schliesst man diese Position wieder und investiert lieber in einen Wert der sich auch bewegt. Hier kann man aber keinen Zeitraum vorgeben. Es liegt hier an jedem selbst einen realistischen Zeitraum für einen Zeitstopp zu wählen, wenn man denn einen einsetzen möchte.

Stoppsetzung anhand Charttechnischer Formationen

Besonders wenn man die aufgrund erfolgter Ausbrüche aus charttechnischen Formationen Werte handelt, kann man hier sehr gut ein wieder unterschreiten der Unterstzützungslinien als Stoppkurs heranziehen. Dabei muss aber beachtet werden, dass im Anschluss an Ausbrüche die Unterstützungslinien häufig getestet werden. Man steckt hier also in einem gewissen Dilemma, einerseits möchte man einen engen Stopp setzen um nicht zu viel zu riskieren und andererseits muss man eine gewisse Toleranzschwelle einbauen, damit der Stopp nicht abgefischt wird.

Charttechnische Formationen die sich besonders gut eignen sind insbesondere W und Bodenbildungsformationen. Hier kann man den Stoppkurs kurz unter den Tiefpunkt des Bodens setzen. Hier spekuliert man auf eine Erholung des entsprechenden Wertes und bei einem unterschreiten des bisherigen Tiefpunktes ist diese offensichtlich nicht eingetreten.

Auch Handeslspannen eignen sich besonders gut. Wenn man bei oder kurz nach einem Ausbruch aus einer Handelsspanne eine Aktie oder Rohstoff kauft, kann man die untere Begrenzung der Handelssspanne als Stoppkurs nehmen.

Flaggen und Wimpel eigenen sich auch vorzüglich um einen Stoppkurs abzuleiten. Findet ein Ausbruch aus einer dieser Formationen statt, kann das Unterschreiten des anderen Ende der Formation als Stopp verwendet werden. Läuft der Kurs nach einem erfolgten Ausbruch wieder ans andere Ende einer Formation ist dies nämlich häufig ein Signal zu einer Trendumkehr.

Trendlinien können auch sehr gut genutzt werden. Doch ist hier meist zumindest am Anfang der Anlage diese mit Vorsicht zu geniessen. Denn Verletzungen von Trendlinien bergen ein hohes Risiko an Fehlsignalen. Aber sollte sich im Verlauf der Investition eine Trendlinie herrauskristallisieren die in die gewünschte Richtung läuft, kann man diese als Gewinnabsicherungsstopp verwenden, auch Trailling Stopp genannt. Hier zieht man den eigenen Stoppkurs recht nahe unterhalb der Trendlinie mit und kann so seine schon erreichten Gewinne absichern. Man sollte hier aber auch nur diese Trendlinien auswählen, die in der eigenen Zeitebene liegen die zur eigenen Anlageentscheidung passen. Es sollte also grad im mittelfristigenen Bereich nur Trendlinien dazu genommen werden, die auch über Monate bestand haben.

Update

Der zweite Teil den richtigen Stoppkurs für den mittelfristen Anleger zu finden.

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