bitcoin – Eine faszinierende neue Währung oder eine gefährliche Blase?

June 6, 2011 by · 10 Comments
Filed under: Devisen 

Währungen werden bisher zentral verwaltet und herausgegeben. Zuständig dafür sind die Notenbanken, die es in ihrer Macht haben die Leitzinsen festzulegen und dafür zu Sorgen das mehr, oder weniger Geld sich im Umlauf befindet. Den Wert einer Währung besteht nicht in sich selbst, sondern in den Gütern die damit gekauft werden können. Ein Euro ist nicht mal das Papier wert auf dem er gedruckt wurde, wenn es keinen Händler gibt, der einem dafür etwas verkaufen möchte. Doch die Notenbanken insbesondere die FED achten nicht nur auf Preisstabilität, sondern versuchen mit der Gelddruckmaschine die Wirtschaft künstlich nach oben zu puschen, was manchmal kurzfristig hilft, oft aber langfristig zu neuen und größeren Finanzkrisen führt. Die Finanzkrise von 2008 war vor allem durch die Niedrigzinspolitik der FED nach dem Platzen der Dotcomblase erst ermöglicht worden. Viele fürchten das die Notenbankpoltik nach der Finanzkrise sogar zu einer gewaltigen Inflation führen könnte, die so alle Ersparnisse wegfegt. Verständlich das viele sich eine unabhängige Währung wünschen deren Menge nicht von irgendwelchen von Politikern besetzten Institutionen beeinflusst werden kann. Der hohe Goldpreis ist der Ausdruck dieser Flucht aus den globalen Währungen. Doch Gold wirkt angesichts dem Computerzeitalter und dem Internethandel mehr als anachronistisch. Die kryptographische Währung bitcoin scheint da eine faszinierende Alternative zu sein, die das peer-to-peer Prinzip auf eine Währung übertragen hat. Die Währung ist völlig dezentral, Überweisungen laufen völlig anonym und irreversibel ab und die Währung wird ähnlich Bargeld in einer Geldbörse auf dem eigenen Rechner gespeichert.

Was sind bitcoins?

Bitcoin, auch BTC abgekürzt, ist eine komplett digitale kryptographische Währung. Sie entsteht indem von einzelnen Rechnern sogenannte Blöcke errechnet werden. Ein Block stellt die Lösung für ein bestimmtes mathematisches Problem dar. Sobald ein Rechner eine Lösung gefunden hat entsteht ein neuer Block und derjenige der diesen Block errechnet hat, erhält 50 neue bitcoins. Doch diese Blöcke wickeln nicht nur den Entstehungsprozess der Währung ab, in ihnen werden auch alle Transaktionen ausgeführt und gespeichert. Es entsteht eine eindeutige Kette an Blöcken, in der ein Block immer vom vorhergehenden abhängt. So ist sichergestellt, das die Währung nicht manipulierbar ist, da es immer nur diese eine Kette von Blöcken geben kann. Eine Transaktion wird jedoch nicht mit den Namen der Überweisenden versehen, sondern besteht aus einem 160bit-hash Schlüssel. Diese sind öffentliche digitale kryptographische Schlüssel und passen nur zu den privaten Schlüsseln in dem sogenannten Wallet, der Geldbörse von bitcoin. Dies ist eine sehr effektive Verschlüsselungsform und es bräuchte enorme Rechenleistung um diese zu knacken. So ist sichergestellt, das eine Überweisung nur bei dem Empfänger ankommt, sie ist sogar für alle Ewigkeit in der Blockkette gespeichert. Da die Blogkette auf vielen verteilten Rechnern gespeichert ist, kann diese auch nicht einfach gelöscht oder unterbrochen werden. Darüber hinaus lassen sich für jede Überweisung ein neuer öffentlicher Schlüssel anlegen, so dass Überweisungen komplett anonym ablaufen.

Das hört sich auf den ersten Blick nach einer völlig inflationären Währung an, wenn jeder Rechner sich daran beteiligen kann neue Bitcoins zu erstellen. Aber dem ist nicht so, das genaue Gegenteil ist sogar der Fall. Durch den Algorithmus der hinter den Bitcoins steckt, ist festgelegt das es jemals nur insgesamt 21 Millionen Bitcoins geben kann. Die Erstellung wird durch die Schwierigkeit eine Lösung für einen neuen Block zu finden auf die Anzahl der beteiligten Rechner angepasst. So wird erreicht das nur etwa alle 10 Minuten ein neuer Block und damit 50 neue Bitcoins entsteht. Alle vier Jahre wird obendrein die Summe der Bitcoins die durch einen neuen Block geschaffen wird halbiert.

Die deflationären Eigenschaften gehen sogar soweit, dass durch Festplattencrashs verlorene Bitcoins auf ewig verschwunden sind. Es gibt keinen Ersatz für diese Verlorenen. Dies wirkt alles deflationär. Es entsteht aber kein Verfügbarkeitsproblem, da Bitcoins jetzt schon auf acht Nachkommastellen zerlegbar sind und später noch beliebig weiter hinzugefügt werden können. Dies ist besonders ein Vorteil für den Zahlungsverkehr im Internet, da so selbst kleinste Beträge überwiesen werden können. Die Kosten für Transaktionen sind im allgemeinen kostenlos, man kann aber quasi als Spende einen Minibetrag einstellen, den man demjenigen zu Gute kommen lässt, der den Block errechnet hat. Später wird es wahrscheinlich so sein das ein kleiner Betrag obligatorisch werden wird, da kostenlose Überweisungen eine sehr niedrige Priorität aufweisen.

Funktioniert bitcoin als Währung?

Als ich die ersten Artikel und Berichte über Bitcoin gelesen habe, war ich als erstes fasziniert. Eine Währung die wirklich stabil sein kann, da sie nicht von Politik oder Wirtschaftsinteressen gesteuert und missbraucht werden kann. Durch die ansteigende Schwierigkeit bei der Erstellung je mehr Rechner sich daran beteiligen, wird quasi durch die Stromkosten und Hardwareanschaffung ein nicht unerheblicher Kostenfaktor erzeugt, der den Preis stützt. So ist die Währung in gewissem Spielraum nach unten abgesichert, da die neu erstellten Bitcoins immer zu Kosten entstanden sind, die sich durch Angebot und Nachfrage von Hardware und Strom dem an den Tauschbörsen gehandelten Umtauschkurs in Dollar annähern. Während früher ein handelsüblicher Heimrechner locker ausreichte um Blöcke zu finden und damit Bitcoins zu sammeln, so ist dies heute schon ein wirklich ernsthaftes Geschäft und die Rechenleistung die notwendig ist, kann kaum von den besten Grafikkarten alleine geleistet werden. Es lohnt sich kaum noch mit einem einzelnen Rechner Blöcke zu suchen, vielmehr ist man gezwungen sich in Rechnerpools zusammenzuschliessen und die Erlöse zu teilen.

Doch jetzt kommt das große Aber.

Dadurch das immer nur eine so eng begrenzte Menge an neuen Bitcoins generiert werden kann, die auch wenn die Währung noch am Anfang steht, immer kleiner wird im Vergleich zu den bisher existierenden Bitcoins ist daraus ein wildes Spekulationsobjekt geworden. Es lädt geradezu zu Blasenbildung ein, da dem Preis nach oben kaum Grenzen gesetzt sind und die Währung durch den bekannten deflationären Charakter eine Währung zum Horten ist. Allein in den letzten zwei Monaten ist der Kurs der Bitcoins durch Medienberichte um atemberaubende 1000% angestiegen. Anfang April stand der Umtauschkurs für Bitcoins bei nicht einmal 2 Dollar, mitlerweile ist dieser auf 18 Dollar pro Bitcoin hochgeschossen.

Dementsprechend kann man in den Diskussionsforen alle Zeichen einer galopierenden Blase erkennen. Überschwänglicher Optimismus an immer weitersteigende Kurse. Die Kursteigerungen werden in die Zukunft extrapoliert und man überbietet sich täglich mit immer noch höheren Kurszielen. Dabei liegt über der ganzen Blase an Damoklesschwert. Es gibt eine ganze Reihe von Enthusiasten die schon lange sich für die Währung Bitcoin engagiert haben und durch das Errechnen und Zukauf auf hohen Bitcoin Beträgen sitzen. Teilweise wurden diese für Dollarcent Beträge erworden. Auch wenn sie nie vorhatten ihre Bitcoins wieder umzutauschen, sondern dann auch in dem dann entstandenen Währungsraum zu nutzen, irgendwann wird der Punkt kommen an dem die Dollarzeichen in den Augen überwiegen und zu einem großen Abverkauf führen. Die Blase kann im Nu platzen, zumal viele enorme Geldbeträge in Rechnerleistung investiert haben und nun fürchten müssen die in Bitcoins geparkten Erträge wieder zu verlieren.

Wie in der Einleitung geschrieben hängt der Wert einer Währung im wesentlichen von der Waren und Dienstleistungen ab, die damit erworben werden können. Bei Bitcoin scheint es so zu sein, das die Wirtschaft sich vor allem auf die Erstellung von Bitcoins beschränkt. Zwar gibt es schon eine ganze Reihe an Internetgeschäften die schon Bitcoins akzeptieren, aber durch diese hohe Neigung zu Spekulationsblasen wird jeder Handel mit Bitcoins zu einem Spekulationsgeschäft. Schon am nächsten Tag müssten die Preise rauf oder runter angepasst werden, und zwar beträchtlich, manchmal über 10%. Jeder Kunde eines Ladens würde es sich gründlich überlegen, ob er denn überhaupt bitcoins bezahlen will, hätte er auch Dollar übrig wäre er schlecht beraten würde er Bitcoins ausgeben. Langfristige Verträge sind bei dem aktuellen Währungssprüngen undenkbar. Jeder vor Monaten festgeschriebene Lohn in Bitcoins würde mittlerweile den Arbeitgeber in den Ruin treiben, würde dieser nicht ständig aktualisiert. Auch ein Kreditgeschäft ist noch völlig undenkbar. Jeder aufgenommene Kredit in Bitcoins wäre russisches Roulette.

So wie die Beschränkung auf eine festgelegte Menge an neuen Bitcoins dazu führt, dass nicht jeder mit seinem Rechner beliebig vieles freies Geld drucken kann, so führt es zu ständiger Verknappung und starken Preissprüngen der Währung bei stark steigendem Interesse. Spekulationsblasen sind dabei unausweichlich, genauso wie deren plötzliches platzen. Eine florierende Geldwirtschaft, die nicht nur dazu existiert um mit der Währung zu handeln, ist so kaum möglich. Bitcoins wirken so deflationär das man sie am liebsten hortet anstatt auszugeben. Falls sich Bitcoins je auf einem stabilen Niveau einpendeln werden, so wird sich sicher mehrere Spekulationsblasen und deren plötzliches Platzen auf dem Weg gegeben haben, falls die Währung nicht von den Staaten derweil verboten wurde.

Mehr zu Bitcoins

Bitcoin FAQ
Bitcoin Wiki
Bitcoin.org
Adam Cohen: Is the cryptocurrency Bitcoin a good idea?
SpiegelOnline: Geld aus der Steckdose

(Quellen Bilder: Total Bitcoins over time, Bitcoincharts.com)

Griechenlandkrise – Griechenland überlegt Euroaustritt

May 6, 2011 by · 5 Comments
Filed under: Finanzkrise 

Nach mehr als einem Jahr nachdem Griechenland durch die Rettungspakete der EU gerettet schien steht nun der Schulden-GAU für Griechenland unmittelbar bevor. Nach einem Artikel von Spiegel Online scheinen die Griechen nun sogar einen Austritt aus der Euro-Zone in Erwägung zu ziehen und wieder zu einer eigenen griechischen Währung zurückzukehren. Diese würde sofort massiv Abwerten und käme eine Insolvenz des griechischen Staates gleich. Selbstmord aus Angst vor dem Tod sozusagen. Auch wenn es wohl erst mal nur Drohungen gegenüber der EU sein könnten, Griechenland steht wiedereinmal mit dem Rücken vor der Wand. Die milliardenschweren Rettungspakete haben Griechenland eben nicht gerettet, sondern die wohl kommende Pleite nur noch teurer gemacht.

Griechenlandkrise vor dem GAU

Hastig tagen nun heute am Freitag Abend die EU Kommission mit den Finanzministern der Mitgliedsstaaten bei einem Krisentreffen in Luxemburg wie Spiegel Online in seinem Artikel berichtet. Es geht nicht nur um den möglichen angedachten Euroaustritt von Griechenland, auch eine Umschuldung steht auf der Tagesordnung. Eine Umschuldung Griechenlands ist für die EU-Politiker eine hoch peinliche Angelegenheit. Nicht nur war es unter Ökonomen abzusehen, dass Griechenland nicht an einer Umschuldung vorbeikommt. Zum Beispiel Nouriel Roubini an einer Diskussion im Milken Insitut vor einem Jahr. Auch der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück sah keinen anderen Ausweg als eine Umschuldung. Auch hier im Blog war ich schon lange der Ansicht das Griechenland nicht ohne hair-cut auskommen wird.
Die Rettungspakete haben das Schuldenproblem nicht gelöst sondern nur vertagt. Dazu wurde die Wirtschaft durch ein hartes Sparprogramm getroffen und die Menschen in Griechenland gehen fast täglich auf die Straßen um dagegen zu protestieren.
Doch auch aus einem anderen Grund könnte es sehr peinlich werden für die selbsternannten Euroretter. Denn durch die Umschuldung noch während der Laufzeit des Rettungsschirmes wird es für die Geberländer sehr teuer. Denn droht ein Hair-cut von mehr als 27% der Schulden, könnten die Eu-Länder die Milliarden an Krediten zur Rettung bereitgestellt haben, keinen cent mehr zurückbekommen. Denn es ist unklar ob die Staaten sich bei dem hastig zusammengestellten Rettungspaket über CDS abgesichert haben, obendrein haben sie angeblich die Kredite zur Rettung im junior Status gegeben. Das bedeutet, erst mal würden alle anderen Gläubiger bedient.
Auch für die EZB würde eine Umschuldung mittlerweile einen hohen Milliardenverlust von bis zu 40 Milliarden Euro bedeuten. Denn die EZB hat kräftig in den letzten Monaten griechische Staatsanleihen aufgekauft.

Kein Wunder möchte Wolfgang Schäuble alles dransetzen um einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro- Zone, oder eine Umschuldung zu verhindern. Juristisch ist es nach vor vor völlig unklar ob ein Staat überhaupt aus der Euro Zone austreten kann, aber wie sollte man so etwas mit vernünftigen Methoden verhindern. Der deutsche Regierungspsrecher Stefan Seibert hat gegenüber Bloomberg dies zurückgewiesen und behauptete das Thema eins Austritts Griechenlands aus dem Euro läge nicht und lag nie auf dem Tisch der Bundesregierung und es war nie ein Thema auf der EU Ebene. Allerdings es schreibt nur von “war”. Auch griechische Regierungsvertreter haben auf Reuters die Berichte dementiert, allerdings hat der Euro an den Märkten schon deutlich auf Meldungen reagiert.

Amerikas AAA Kreditwürdigkeit mit Makel

April 18, 2011 by · 4 Comments
Filed under: Anleihen 

Im Grunde ist noch nicht viel passiert. Lediglich der Ausblick der Kreditwürdigkeit wurde von S&P heute auf negativ gesenkt. S&P spricht davon das bedeute die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung des AAA Rating der USA liege bei 33%. Dennoch es markiert eine historische Zäsur. Wenn man für den begrenzten Zeiträume der Kreditratings seit 1941 von historisch sprechen kann. Noch nie hatte S&P den USA, seit der Aufnahme des Ratings 1941, ein anderes Prädikat als AAA verpasst und noch nie einen negativen Ausblick. Dementsprechend reagierten die Börsen mit Kursabschlägen. Die Zinsen für Staatsanleihen aber auch die Preise für Kreditausfallversicherungen kurz CDS für US Staatsanleihen zogen an und notieren damit höher als die der deutschen Bundesanleihen.

Kernpunkt der Herabstufung des Ausblicks durch S&P waren die anhaltenden Haushaltsquerelen in den USA, um Sparbemühungen und die Anhebung der Schuldenobergrenze. Doch angesichts des enormen Haushaltsdefizit war der Schritt mehr als überfällig. So erreicht das Defizit der USA, nach Berechnungen des IWF, in diesem Jahr annähernd 11% der Wirtschaftsleistung BIP. Das entspricht neuen Schulden in Höhe von 1650 Milliarden Dollar. Schon im November hatte die chinesische Ratingagentur Dagong das Kreditrating der USA gleich ganz herabgestuft auf A+.

Allein aus dem Grund das die USA die Weltreservewährung besitzen und die FED beliebig eigene Staatsanleihen wie zum Beispiel über QE2 aufkaufen kann erhalten ihr zumindest bei den US Ratingagenturen weiterhin die Bestbonität. Doch die FED kann auch das quantative easing nicht beliebig verlängern. Schlägt die Inflation voll durch, steigen auch zwangsläufig die Zinsen für die Staatsanleihen und der Schuldenberg wird untragbar. Außer die FED finanziert die US Schulden komplett, dies würde aber die Währung völlig ruinieren. Schon in der Finanzkrise und der Eurokrise haben die amerikanischen Ratingagenturen viel zu spät und zu zaghaft reagiert. Dies ist auch jetzt der Fall. Doch gerade die Kommentare aus der amerikanischen Politik zeigen, unter welchem Druck die Ratingagenturen stehen. Ein unabhängiges kritisches Urteil kann man hier kaum erwarten.

Marc Faber – Lockere Geldpolitik und Inflation vergrössert die Schere zwischen Arm und Reich

April 8, 2011 by · Leave a Comment
Filed under: Interview 

Marc Faber der Autor des “Gloom, Boom & Doom” Reports spricht in diesem Interview mit CNBC wieder einmal über seine Lieblingsthemen, Gold und die Botenbankpolitik der FED. Diese kritisiert er schon seit Jahren für ihre laxe Geldpolitik und dafür jedes Problem mit billigem Geld lösen zu wollen. Zum Thema Gold begründet Marc Faber seinen Standpunkt das es sich noch nicht um eine Blase handelt. Wäre dem so, würden viel mehr Menschen Gold in ihrem Anlageportfolio besitzen und vielen würden Gold rund um die Uhr handeln. Wirklich interessant wird das Interview besonders zum Ende indem Marc Faber auf eine Grundsatzdiskussion einschwenkt wem eigentlich das billige Geld der Notenbank nutzt.

Die Fed begründet vor allem mit der hohen Arbeitslosigkeit weiter an niedrigen Zinsen festhalten zu wollen. Die EZB hat dagegen vor kurzem, wenn auch mit einem kleinen Zinsschritt, sich ein wenig zu einer Zinserhöhung durchgerungen. Für Marc Faber sind aber nicht die Arbeitslosen die großen Nutznießer der niedrigen Zinsen, sondern gerade die reiche Oberschicht. Im Gegensatz zu den kleinen Arbeitern und Transferempfängern haben Sie die Möglichkeit ihre Anlagen so zu streuen und im Ausland zu investieren, das sie sogar von einer Inflation profitieren, während der Lohn und Sozialleistungen meist auf einem gleichen Niveau verharren. Doch dagegen steigen Reih um die Preise für den Lebensunterhalt. Ob nun Energie, Lebensmittel, Gesundheitskosten oder Versicherungen. Der Anteil den diese Ausgabenposten allerdings bei den Reichen einnimmt ist verschwindend gering, während die unteren 50% massiv davon betroffen wird.


Das japanische Beben und dessen Auswirkungen auf Wirtschaft und Börse

March 14, 2011 by · Leave a Comment
Filed under: Konjunktur 

Die erschütternden Bilder der Tsunami Katastrophe aus Japan und die widersprüchlichen und beängstigenden Meldungen aus dem Atomkraftwerk Fukushima haben auch heute ein Beben an den Finanzmärkten hinterlassen. Der Nikkei stürzte dramatisch und auch an den europäischen Börsen wurde ein hektischer Handel wie nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers verzeichnet. Denn eines ist bereits heute klar. Das Erdbeben in Japan, gefolgt von einem Landstriche verwüstenden Tsunami und dem drohenden Super-Gau in gleich drei Reaktoren ist ein Katastrophenszenario das Beispiellos in der Geschichte ist. Dazu kommt die spezielle Schuldensituation Japans mit über 200% des BIP, das allein schon untragbar wäre. Durch die besondere Situation in Japan war dies lange Zeit möglich während andere Staaten wie Griechenland schon längst in die Insolvenz müssten. Doch gerade nun durch die Katastrophe könnte der Schuldenstand untragbar werden.

Japan ist schwere Erdbeben gewöhnt und auch meist erholt sich die Wirtschaft schnell wieder danach. Allerdings allein von den jetzigen Schätzungen übertrifft diese Katastrophe alles bisher dagewesene. Erste Schätzungen gehen von über 50% höheren Kosten als beim schweren Kobe Erdbeben im Jahre 1995 aus. Mindestens 180 Milliarden Dollar sollen die Aufräum- und Wiederaufbaumaßnahmen kosten. Die Auswirkungen könnten zwischen 3% und 5% des japanischen BIPs liegen. Obendrauf kämen dazu noch die Kosten für das nukleare Desaster der Reaktoren von Fukushima. Der daraus entstehende Schaden ließe sich nichtmal im Ansatz ermessen. So unabsehbar wären die Folgen einer tatsächlichen Kernschmelze die sich durch den Stahlbehälter, das Containment, frisst. Noch wehen die Winde die Radioaktivität aufs Meer, wo diese schon in 170 km Entfernung von einem amerikanischen Flugzeugträger gemessen wurde. Nicht auszudenken was geschehen würde, würden die strahlenden Reste der Kernschmelze auf die Millionenmetropole Tokio geweht.

Angenommen bleibt die große nukleare Katastrophe aus, könnte dennoch der japanische Staatshaushalt eine Kernschmelze erleben. Bisher war Japan in der komfortablen Situation, dass es im Land selbst eine sehr hohe Sparquote mit gleichzeitig wenig Anlagealternativen zu Staatsanleihen gab, durch die jahrzehntelange Deflation. Nur so ist erklärbar das Japan sich mit über 200% des BIP verschulden konnte, aber gleichzeitig nur wenig Zinsen zahlen musste. Während andere Staatshaushalte wie der griechische schon bei vergleichsweise “geringen” Schuldenständen spektakulär platzen. Diese komfortable Situation könnte sich schlagartig ändern. Die Japaner werden im hohen Maße durch die Naturkatastrophe gezwungen sein eigene Rücklagen für den Wiederaufbau aufzulösen. Diese Rücklagen bestanden oft aus Staatsanleihen. Zum Vergleich als 1995 das schwere Erdbeben Kobe traf betrug die japanische Staatsschuldenquote 92,5%, heute im Jahr 2011 dagegen 206% (Quelle Statista).

Es ist damit nicht einmal mehr ausgemacht, das der nach Kobe beobachtete Effekt einer sogenannten “creative destruktion” eintreten könnte. Damals konnte sich die Wirtschaft durch die vom Staat finanzierten Aufbaumaßnahmen schnell wieder erholen und die zerstörten Einrichtungen wurden schnell durch modernere und produktivere ersetzt. Doch ohne einen entsprechenden Spielraum bei den Staatsfinanzen wird das kaum möglich sein. Mich beschleicht bei den Bildern aus Japan das Gefühl einer Industrienation beim Sterben zuzusehen, wollen wir hoffen das es nicht so kommt und die Geschichte von Atlantis ein antiker Mythos bleibt.

Mehr zum Thema:

ZeroHedge: Baseline Japan Disaster Cost Estimates: 3-5% Of GDP; Could Be As High As $1 Trillion
Blicklog: Die japanische Katastrophe und die unbekannten ökonomischen Konsequenzen (+ Pressereaktionen Auswirkungen Wirtschaft)

EZB startet Zinswende

March 3, 2011 by · 1 Comment
Filed under: Notenbanken 

Es überrascht schon sehr das EZB Präsident Trichet schon im April eine Erhöhung der Leitzinsen andeutet. Damit würde er die tiefste und längste Niedrigzinsperiode der Nachkriegszeit beenden. Seit Mai 2009 stehen die Leitzinsen der Eurozone bei 1%. Dies wäre die erste Zinserhöhung seit Sommer 2008, dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise. Insbesondere die ansteigende Inflation ausgelöst durch anziehende Rohstoffpreise macht der EZB Sorgen. Die Inflation in der Eurozone beträgt aktuell im Februar nach offiziellen Zahlen 2,4 Prozent und liegt damit den dritten Monat in Folge über der Zielmarke der EZB. Die Liquiditätszusagen für die Geschäftsbanken sollen aber verlängert werden und auch der umstrittene Aufkauf von problematischen Staatsanleihen geht weiter.

Trichet hatte in seinem Eröffnungsstatement nicht die quasi schon traditionelle Formel verwendet das die gegenwärtigen Leitzinsen angemessen sind. Dies wird von Experten als Beleg dafür gesehen, dass zur nächsten Zinsentscheidung im April eine Erhöhung fällig wird. Die EZB hat ihre Inflationserwartungen für 2011 nun auf den Korridor von 2,0% bis 2,6% angehoben. Doch es waren noch nicht die jüngsten Ölpreisschübe durch die Unruhen in Nordafrika eingepreist. Es ist daher anzunehmen, dass die Inflation eher noch höher ausfallen wird als von der EZB prognostiziert.

Doch um die aufkommende Inflation energisch entgegenzutreten fehlt der EZB die Kraft. Einerseits müssen immer noch die Geschäftsbanken geschützt werden, andererseits würde eine Staffel von Zinserhöhungen die Randstaaten des Eurolandes in noch größere Solvenzschwierigkeiten bringen. Meiner Meinung nach wird die Zinserhöhung sollte sie tatsächlich kommen, zu wenig und zu spät sein. Man muss bedenken das eine Leitzinserhöhung immer eine Wirkungsverzögerung von etwa einem dreiviertel Jahr auf die Wirtschaft besitzt. Doch ungeachtet dessen, stärkt allein die vermutete Ankündigung den Euro und bringt die FED in Zugzwang. Der Euro hat heute während der Pressekonferenz der EZB kräftig zugelegt und steht kurz davor die psychologisch wichtige Marke von 1,40 zu überschreiten.

Mehr zum Thema:

FTD: EZB-Chef leitet Zinswende ein
ZeroHedge: EUR Surges After ECB Raises 2011 Inflation Outlook, Trichet Implies Only Unercapitalized Banks Prevent Rate Hike, May Raise Rates At Next Meeting
FTD: Trichet zeigt der Politik die lange Nase

Mögliche Lösung des Zwangsvollstreckungsskandals in den USA

February 25, 2011 by · 1 Comment
Filed under: Finanzkrise 

Nachdem im letzten Oktober der Skandal um die unrechtmäßigen Zwangsversteigerungen in den USA das beherrschende Wirtschaftsthema war, ist es in den letzten Monaten recht ruhig gewesen. Durch die hastige Strukturierung der damals so sehr beliebten mortgage backed securities kurz MBS sind einige, für eine Zwangsversteigerung rechtlich notwendige, Dokumente nur unvollständig, oder erst hinterher nachträglich ausgefüllt worden. Doch im Zuge der Finanzkrise mussten Zwangsversteigerungen wie am Fließband ausgestellt werden und viele davon waren rechtlich nicht gültig. Als der Zwangsversteigerungsskandal (foreclosure gate) aufkochte, mussten viele Großbanken ihre Zwangsversteigerungen zeitweise aussetzen. Nun schlägt die Obama Administration einen Plan vor um dieses rechtliche Chaos zu beheben. Es soll eine landesweite Einigung angestrebt werden, bei der die Banken über 20 Milliarden Dollar als Strafe, oder als Beihilfe zur Schuldenreduzierung notleidender Hausbesitzer bezahlen sollen.

Durch die Erlassung eines Teils der notleidenden Kredite, soll elegant ein Teil der rechtlichen Probleme der Zwangsversteigerung ausgeräumt, oder vertagt werden. Denn noch immer stehen geschätzt zwischen 4 und 7 Millionen überschuldeter Hausbesitzer in den USA vor drohenden Zwangsvollstreckungen. Doch angesichts der Menge an beteiligten Banken und Kreditinstituten wird eine schnelle Einigung bei diesem Problem nur schwer möglich sein. Besonders die Großbanken stehen dem Vorschlag, wenig überraschend, ablehnend gegenüber. Sie bezweifeln das dies dem amerikanischen Häusermarkt helfen könnte. Sie fürchten sich davor das zu viele Hypothekenschuldner auf die Idee kommen könnten die Zinszahlungen einfach einzustellen.

Doch gerade der amerikanische Häusermarkt hat eine Erholung dringend nötig. Noch immer sinken die Preise der Immobilien. Besonders drückt natürlich die noch hohe Anzahl zwangszuversteigernder Häuser auf den Markt. Neubauprojekte sind quasi am Boden. Nach Expertenansicht soll es noch bis zu 5 Jahre dauern bis sich der amerikanische Immobilienmarkt von der Krise erholt hat und wieder zu normalen Zuständen von Wohnungsangebot und -nachfrage zurückgekehrt ist.

Mehr zum Thema:

FAZ: Amerikas Banken sollen Kredite erlassen

Weidemann – Der Neue an der Spitze der Bundesbank

February 16, 2011 by · 2 Comments
Filed under: Notenbanken 

Nach dem überraschenden Rückzug von Bundesbankpräsidenten Axel Weber, wurde heute sein Nachfolger Jens Weidmann vorgestellt. Wie so üblich in der Politik handelt es sich um einen engen Vertrauten und wichtigsten Wirtschaftsberater der Kanzlerin Angela Merkel. Die Presse lobte in gleich in höchsten Tönen, so war von “Merkels Musterschüler” im Spiegel zu lesen. Kritische Stimmen kamen ausgerechnet von seinem Doktorvater, der ihn in einem Interview mit der Welt als einen “farblosen Technokraten” bezeichnet. Eine schlimmere Ohrfeige am Tag der Berufung kann man von einem ehemaligen Professor nicht bekommen. Was also kann man von einem Günstling Merkels erwarten, den der eigene Professor für unfähig hält wirtschaftspolitisch zu argumentieren.

Die Wahl Weidmans erinnert frappierend an die Ernennung des eher farblosen Bundespräsidenten Christian Wulff. Weidmann soll intellektuell unabhängig sein, da parteilos. Aber über seine wahren Ansichten zu einer Europäischen Zentralbankpolitik erfährt man wenig. Allerdings soll er seine Standpunkte leidenschaftslos vertreten und auch sein Professor hat ihm die Eignung abgesprochen. Das so einer die Positionen der etwas zu stolzen, aber dennoch vernünftigen Politik der Bundesbank, auch auf europäischer Ebene, wird verteidigen können darf bezweifelt werden. Weber hatte dagegen öffentlich angeprangert das die EZB die Anleihen der Länder die in einer Schuldenkrise stecken aufkauft und damit selbst wie die FED quantative easing betreibt. Doch damit stand Weber letztlich isoliert in der EZB da und gab den Kampf und seine Ambitionen auf einen EZB Chefposten auf. Vor allem aber dürfte ihm das Geschacher um seine EZB Kandidatur zu sehr gegen seine Prinzipien verstoßen haben. So sollte im Tausch für Weber als EZB Präsident Deutschland Geld für eine Transferunion bereitstellen. Auch machte ihm schwer zu schaffen wie eng Merkel und Trichet in der Krise gemeinsam die Prinzipien der EZB über den Haufen warfen. Das nach der Ernennung von Weidman und dem Abgang von Weber ein Deutscher den EZB Präsidenten stellen wird, gilt als ausgeschlossen.

Es ist also durchaus zu befürchten, dass mit einem farblosen Technokraten und engen Merkel Vertrauten an der Spitze der Bundesbank, die EZB weiter die meisten ökonomischen Fehler der FED nachvollzieht und die Stabilitätsprinzipien der früheren Bundesbank aufgibt. Chefredakteur der WirtschaftsWoche Roland Tichy bezeichnete in einem sehr interessanten Blogartikel den Abgang Weber als “Zweiten Tod der D-Mark”. Das Weidman dagegen auch eine klare Haltung für Preisstabilität und gegen geldpolitische Irrungen offensiv vertreten wird ist mehr als fraglich. Schon Merkels Rettungspolitik um Opel konnte er nicht in vernünftige Bahnen lenken.

Rettung der Hypo Real Estate – Expertenkommision stellt vernichtendes Urteil aus

February 9, 2011 by · 3 Comments
Filed under: Finanzkrise 

Zig Milliarden hat der deutsche Staat und damit der Steuerzahler in die Pleitebank Hypo Real Estate seit 2008 um dieses Institut am Leben zu erhalten. Doch was ist dabei raus gekommen? Laut einer Expertenkommission die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde ist das einzige was der Staat mit der Hypo Real Estate, kurz HRE, anfangen kann eine Abwicklung. Eine Privatisierung also ein Verkauf der Bank würde keine höheren Erlöse einbringen, als würde der Staat die HRE einfach kurz und schmerzlos abwickeln. Die Märkte auf denen die HRE aktiv seih, sind durch Überkapazitäten und hohen Wettbewerbsdruck geprägt. Was für eine grandios erfolgreiche Sanierung! Ähnlich niederschmetternd fällt das Urteil für die kriselnde WestLB aus. Bei der WestLB kann die Kommision keine unentbehrlichen Volkswirtschaftlichen Leistungen erkennen und empfiehlt auch hier die Abwicklung. Ein Verkauf des Gesamtpaketes wäre wenig aussichtsreich.

Die Rettungen durch den deutschen Steuerzahler bei den Banken wirken so im Nachhinein nicht gerade effektiv und als Verschwendung von Steuergeldern. Gerade einmal der durch den Staat geretteten Commerzbank bescheinigt die Kommission eine profitable Geschäftstätigkeit. Doch auch hier empfehlen die Experten eine weitere Kapitalerhöhung, um die Summen die der Staat in die Bank eingebracht hat zurückzuzahlen. Der Gewinn allein reicht dazu nicht. Ein Armutszeugnis für staatliche Bankenrettung in Deutschland. In anderen Ländern dagegen sei der Ausstieg des Staates aus den geretteten Banken wesentlich schneller und mit Gewinn erfolgt. Man muss aber hier zugute halten, das gerade die amerikanischen Banken sehr von dem Geldregen der Fed profitieren, das insbesondere über QE2 von der FED in den Markt gepumpt wird. Die Wall Street Banken sind dabei meist die ersten Profiteure.

Hauptgrund ist aber vor allem die unvorbereitete Rettung, die das Finanzministerium von Peer Steinbrück ja so völlig unvorbereitet überrascht hat. Damals wurde die HRE noch als systemrelevant bezeichnet und die Rettung als alternativlos. Die Rettung gestaltete sich dabei zu einem Drama aus drei Akten. Erst eine Bank die in völliger Selbstüberschätzung und Ignorierung aller Risiken am großen Rad drehen will, sich dabei auf eine systemrelevante Größe aufpumpt und ein Staat der am Ende vor den Banken kapituliert. Doch leider fürchte ich wird die Bundesregierung aus der Kommission keine Lehren ziehen und mit der HRE und den Landesbanken weiterwurschteln wie bisher.

Mehr zum Thema: Zeit: Regierungsexperten empfehlen Abwicklung der Hypo Real Estate

Veröffentlichung des kompletten FCIC Reports

January 27, 2011 by · Leave a Comment
Filed under: Finanzkrise 

Am 13. Januar 2010 hat die FCIC, die Financial Crisis Inquiry Commission in den USA, die erste Anhörung veranstaltet. Ziel dieser zehnköpfigen Kommission unter dem Vorsitzenden Phil Angelides war es das Desaster der Finanzkrise von 2007-2010 aufzuklären. Nun hat die FCIC ihren 500-seitigen Abschlussbericht veröffentlicht. Man kann die Kommission mit der sogenannten Pecora Commission vergleichen, die in den 30iger Jahren die den so berühmten Wallstreet Crash 1929 und die Große Depression aufklären sollte. Noch ist es für mich zu früh einen intensiven Bericht über den ICIC Report zu schreiben, die 500 Seiten müssen erst mal gelesen werden um zu einer tieferen Schlussfolgerung zu kommen, aber jeder kann sich hier schon mal den kompletten FCIC Bericht ansehen. Die FCIC wirft darin nahezu allen in der Finanzwirtschaft involvierten Institutionen ein massives Versagen vor und einen systemisches Versagen der Finanzwirtschaft an Zuverlässigkeit und Ethik.

FCIC report

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