Commerzbank greift zum Rettungspaket, Zahlen schwach.
Nun ist es also soweit, die erste große Privatbank greift zum Rettungspaket des Staates. Die Commerzbank hat sich allerdings im letzten Quartal äußerst schwach gezeigt.
Damit ist wohl vorerst der Bann gebrochen. Allerdings wird die Commerzbank mehr aus Not als aus Freiwilligkeit zugegriffen haben. Denn das abgelaufene dritte Quartal verlief äußerst schlecht und man erwirtschaftete ein Minus von 285 Millionen Euro. Im Vohrjahr lag der Gewinn noch bei 339 Millionen Euro. Das operative Ergebnis lag im nun abgeschlossenen Quartal bei minus 475 Millionen Euro. Die Geschäfte im operativen Kerngeschäft um Privat und Geschäftskunden liefen weiter sehr erfolgreich. Man konnte sogar in einer Rekordhöhe neue Kunden gewinnen. Allerdings musste die Bank durch die Finanzmarktkrise deutliche Einbussen von 1,1 Milliarden Euro hinnehmen. Darunter belaufen sich Verluste aus der Lehmann Pleite mit 357 Millionen Euro und aus Geschäften mit Island mit 232 Millionen Euro. Die Commerzbank hat per 30. September 2008 eine Kernkapitalquote (Tier 1) von 7,6% nach HGB, nach IFRS liegt sie bei 7,3%.
Die Commerzbank hat sich nun vom Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung 8,2 Millarden Euro als stille Einlagen besorgt. Darüber hinaus lässt sie sich eine Option auf eine Garantie für Schuldverschreibungen über 15 Milliarden Euro einräumen. Dadurch kann sie ihre eigenkapitalquote (Tier 1 nach HGB) auf 11,2% erhöhen. Mit der Annahme des Rettungspakets durch die Commerzbank, verpflichtet sich die Bank dafür in den Jahren 2009 und 2010 keine Dividenden an ihre Aktionäre auszuschütten und ihre Vorstandsbezüge auf 500.000 € zu begrenzen, sowie auf Bonizahlungen zu verzichten.
An den Börsen war schon lange darauf spekuliert worden, nun ist es eingetreten. Aber anderes als von vielen befürchtet wurde die Commerzbank Aktie dafür nicht abgestraft sondern gehört heute zu den größten Gewinnern im DAX. Das Papier kann um 8,84% auf 9,18€ zulegen. Dies ist aber auch einer allgemein freundlichen Stimmung der Märkte geschuldet, Mitte Oktober wäre diese Nachricht noch völlig anders aufgenommen worden. Angesichts der Übernahme der Dresdner Bank wäre die Commerzbank bei einer so geringen Kapitalquote von 7,3% wohl nicht so einfach durch die Krise gekommen. Angesichts der Finanzkrise und den eigenen Schwächen der Commerzbank wirkt die eingefädelte Übernahme nun allerdings äußerst fahrlässig. Man kann zwar vielleicht durch die eigenen Kernkompetenzen im Privat- und Firmenkundengeschäft bei der Dresdner Bank Synergiepotenziale heben und diese modernisieren. Doch im Angesicht einer so deutlichen Finanzkrise hätte man dafür wohl keinen schlechteren Zeitpunkt wählen können. Zumindest hat die Commerzbank nun erstmal dank dem Staat das eigene Überleben abgesichter und müsste deutlich weniger Euro für Risikoprämien zahlen. Aber der Ruf eine erfolgreiche Bank zu sein, ist wohl aufs erste hinüber.
Ähnliche Artikel auf Spekulantenblog.de:
- Commerzbank braucht 10 Millarden Die Lage bei der Commerzbank ist noch wesentlich kritischer als bisher gedacht. Am Mittwoch hatte ich hier schon über die Probleme der Commerzbank mit der Übernahme der Dresdner Bank berichtet....
- Commerzbank und Dresdner Bank – eine Fusion mit immer größeren Problemen Es war von Anfang an klar, dass diese Fusion keine leichte sein würde. Denn bald nachdem die Commerzbank sich entschlossen hat die Dresdner Bank zu übernehmen brach der Sturm der...
- Infineon schockiert mit desaströsen Zahlen Die Anleger von Infineon mussten schon einiges erleiden, doch nach der heuten Geschäftszahlen kollabiert der Aktienkurs gradezu. Man hat im abgelaufenen Jahr einen außerordentlich hohen Verlust eingefahren und der Ausblick...
- Deutsche Privatbanken wollen nun doch aufs Rettungspaket zugreifen Die Verhandlungen über den Zugriff der Privatbanken auf das staatliche Rettungspaket sollen kurz vor dem Durchbruch sein. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, sollen die Verhandlungen um das staatliche Rettungspaket kurz...
- USA stellen Rettungspaket um-American Express belastet Dow Jones Paulson hat eingesehen, dass die bisherigen Hilfen nicht ausreichen. Nun sollen anstatt Ramschanleihen aufgekauft werden, vielmehr direkt die Kapitalbasis der Banken gestärkt werden. Kreditkartenunternehmen sind der nächste Krisenherd. Nun soll...
Trackback URL für diesen Artikel: trackback
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann abonnieren Sie doch den RSS Feed und bleiben Sie so auf dem Laufenden, Sie können aber auch die Kommentare verfolgen RSS Comment Feed.
Sie können dem Autor nun auch über Twitter folgen
Kommentare
2 Comments on Commerzbank greift zum Rettungspaket, Zahlen schwach.
-
Die Commerzbank nutzt den staatlichen Rettungsfonds » Beitrag » Kostenlose Kreditkarten on
Thu, 6th Nov 2008 16:37
-
Finanzblog » Blog Archive » Milliardenverlust bei der Dresdner Bank on
Mon, 10th Nov 2008 16:15
[...] schon der spekulantenblog schrieb, rutschte die Commerzbank tief in die roten Zahlen. Im dritten Quartal war dem Institut [...]
[...] die selbst im dritten Quartal dieses Jahres ein Minus von 285 Millionen Euro hinnehmen musste und bei der Bundesregierung eine staatliche Hilfe beantragt hat, jedoch überhaupt noch Interesse an der immer maroderen Dresdner Bank hat, ist [...]
Sag mir deine Meinung und hinterlasse einen Kommentar...
und wenn du ein Bild neben deinem Kommentar anzeigen möchtest, dann hol dir einen gravatar!
