Das japanische Beben und dessen Auswirkungen auf Wirtschaft und Börse
Die erschütternden Bilder der Tsunami Katastrophe aus Japan und die widersprüchlichen und beängstigenden Meldungen aus dem Atomkraftwerk Fukushima haben auch heute ein Beben an den Finanzmärkten hinterlassen. Der Nikkei stürzte dramatisch und auch an den europäischen Börsen wurde ein hektischer Handel wie nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers verzeichnet. Denn eines ist bereits heute klar. Das Erdbeben in Japan, gefolgt von einem Landstriche verwüstenden Tsunami und dem drohenden Super-Gau in gleich drei Reaktoren ist ein Katastrophenszenario das Beispiellos in der Geschichte ist. Dazu kommt die spezielle Schuldensituation Japans mit über 200% des BIP, das allein schon untragbar wäre. Durch die besondere Situation in Japan war dies lange Zeit möglich während andere Staaten wie Griechenland schon längst in die Insolvenz müssten. Doch gerade nun durch die Katastrophe könnte der Schuldenstand untragbar werden.
Japan ist schwere Erdbeben gewöhnt und auch meist erholt sich die Wirtschaft schnell wieder danach. Allerdings allein von den jetzigen Schätzungen übertrifft diese Katastrophe alles bisher dagewesene. Erste Schätzungen gehen von über 50% höheren Kosten als beim schweren Kobe Erdbeben im Jahre 1995 aus. Mindestens 180 Milliarden Dollar sollen die Aufräum- und Wiederaufbaumaßnahmen kosten. Die Auswirkungen könnten zwischen 3% und 5% des japanischen BIPs liegen. Obendrauf kämen dazu noch die Kosten für das nukleare Desaster der Reaktoren von Fukushima. Der daraus entstehende Schaden ließe sich nichtmal im Ansatz ermessen. So unabsehbar wären die Folgen einer tatsächlichen Kernschmelze die sich durch den Stahlbehälter, das Containment, frisst. Noch wehen die Winde die Radioaktivität aufs Meer, wo diese schon in 170 km Entfernung von einem amerikanischen Flugzeugträger gemessen wurde. Nicht auszudenken was geschehen würde, würden die strahlenden Reste der Kernschmelze auf die Millionenmetropole Tokio geweht.
Angenommen bleibt die große nukleare Katastrophe aus, könnte dennoch der japanische Staatshaushalt eine Kernschmelze erleben. Bisher war Japan in der komfortablen Situation, dass es im Land selbst eine sehr hohe Sparquote mit gleichzeitig wenig Anlagealternativen zu Staatsanleihen gab, durch die jahrzehntelange Deflation. Nur so ist erklärbar das Japan sich mit über 200% des BIP verschulden konnte, aber gleichzeitig nur wenig Zinsen zahlen musste. Während andere Staatshaushalte wie der griechische schon bei vergleichsweise “geringen” Schuldenständen spektakulär platzen. Diese komfortable Situation könnte sich schlagartig ändern. Die Japaner werden im hohen Maße durch die Naturkatastrophe gezwungen sein eigene Rücklagen für den Wiederaufbau aufzulösen. Diese Rücklagen bestanden oft aus Staatsanleihen. Zum Vergleich als 1995 das schwere Erdbeben Kobe traf betrug die japanische Staatsschuldenquote 92,5%, heute im Jahr 2011 dagegen 206% (Quelle Statista).
Es ist damit nicht einmal mehr ausgemacht, das der nach Kobe beobachtete Effekt einer sogenannten “creative destruktion” eintreten könnte. Damals konnte sich die Wirtschaft durch die vom Staat finanzierten Aufbaumaßnahmen schnell wieder erholen und die zerstörten Einrichtungen wurden schnell durch modernere und produktivere ersetzt. Doch ohne einen entsprechenden Spielraum bei den Staatsfinanzen wird das kaum möglich sein. Mich beschleicht bei den Bildern aus Japan das Gefühl einer Industrienation beim Sterben zuzusehen, wollen wir hoffen das es nicht so kommt und die Geschichte von Atlantis ein antiker Mythos bleibt.
ZeroHedge: Baseline Japan Disaster Cost Estimates: 3-5% Of GDP; Could Be As High As $1 Trillion
Blicklog: Die japanische Katastrophe und die unbekannten ökonomischen Konsequenzen (+ Pressereaktionen Auswirkungen Wirtschaft)
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