Der inflationäre Teufelskreislauf der Stimuli
Viele Experten in den USA, gerade auch immer wieder Paul Krugman, fordern immer wieder eine Ausweitung der Stimuli um die Wirtschaft wieder anzuschieben und ein Double Dip zu verhindern. So wie die Deutschen nach den Erfahrungen der Hyperinflation in der Weimarer Republik, so fürchten sich die Amerikaner vor einer Deflation, nach den Erfahrungen aus den frühen 30iger Jahren. Mahnendes Beispiel ist Japan, das nicht mehr aus seiner Deflation herauskommt. Doch die keynsianischen Methoden funktionieren in der globalisierten Welt nicht mehr so einfach wie noch im frühen 20sten Jahrhundert. Ausführlich legt das der in Shanghai lebende Ökonom Andy Xi dar, der beschreibt wie Obamas Stimuli die chinesische Wirtschaft anheizen und spätestens 2012 als Inflation wieder zurück in den Westen schwappt. Ein Teufelskreis.
Andy Xi legt in einem überaus lesenswerten Artikel auf Bloomberg dar, wie dieser Teufelskreis funktioniert. Das ganze Geld das die FED und Obama über Geldvermehrung und Stimulus-Paketen in den Geldkreislauf pumpen, fliesst wie Wasser hinunter auf diejenigen Regionen mit dem niedrigsten Lohnniveau. In der heutigen Zeit entstehen die Produkte schon lange nicht mehr dort wo die Nachfrage entsteht, sondern immer dort wo sie am billigsten produziert werden können. So sorgen die Gelder zwar für Nachfrage, aber dies schafft keine Arbeitsplätze und Investitionen in den USA. Die USA bleiben dagegen auf den Schulden sitzen und befeuern nur ihr gigantisches Handelsbilanzdefizit. Die Entwicklungsländer wie China und Indien haben dagegen einen rasanten Wirtschaftsboom und ausufernde Inflation. Aktuell liegt sie in den Schwellenländern bereits schon bei 5%.
Als Schlussfolgerung daraus sieht Xie zwei Szenarien. Entweder werden die Entwicklungsländer wie China schnell genug reich, so dass sich das Lohnniveau ausgleicht. Dies ist aber nur sehr unwahrscheinlich, da das Lohnniveau im Westen um einen Faktor 10 über dem zum Beispiel von China liegt. Nun würden die Arbeitsplätze durch Stimuli wieder im Westen entstehen und die amerikanische Wirtschaft könnte sich wieder durch Stimuli aufrappeln.
Das weitaus realistischere Szenario ist allerdings, dass die Inflation in den Entwicklungsländern so stark ansteigt, dass diese über die Rohstoffpreise in den Westen importiert werden. Ironischerweise sind es gerade die Entwicklungsländer die besonders viele Rohstoffe fördern, so dass auch hier das Geld wieder vom Westen in Richtung der Entwicklungsländer abfliesst.
In 2012 sieht Xi die Inflation so stark ansteigen, dass die Fed gezwungen sein wird die Zinsen wieder zu erhöhen, ob sie will oder nicht. Und das heißt auch ein Ende aller Stimulus Programme, egal ob die Wirtschaft nun wieder angesprungen ist oder weiter in einer Rezession verharrt. Im Grunde wird es ein langer und schmerzhafter Anpassungsprozess werden in dem der Westen darauf warten muss, dass die Löhne sich untereinander angleichen und die Chinesen und Inder so viel ausgeben wie der Westen es gewohnt ist.
Deutschland wäre in dem Szenario noch relativ gut aufgestellt, da seine Exportwirtschaft die ganzen Maschinen und Produktionsanlagen in die Entwicklungsländer liefern kann. Besonders bei den steigenden Lohn- und Rohstoffkosten werden hochwertige Maschinen immer dringender notwendig. Amerika hingegen die ihre Wirtschaft auf eine konsumgetriebende Dienstleistungsgesellschaft umgebaut haben, sehen einer düsteren Zukunft entgegen.
Markus Gaertner der hierbei von einem globalen Kreislauf des Wahnsinns spricht, hat dazu eine wirklich passende Illustration angefertigt. Und hier auch nochmal der Verweis auf den lesenwerten Artikel von Andy Xi China Swallows Obama Stimulus Meant for U.S. Economy.
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Kommentare
5 Comments on Der inflationäre Teufelskreislauf der Stimuli
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Kleine Presseschau vom 19. August 2010 | Die Börsenblogger on
Thu, 19th Aug 2010 10:23
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Holger on
Thu, 19th Aug 2010 14:28
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Joerg on
Thu, 19th Aug 2010 14:56
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Holger on
Thu, 19th Aug 2010 15:43
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Joerg on
Thu, 19th Aug 2010 18:29
[...] Spekulantenblog: Der inflationäre Teufelskreislauf der Stimuli [...]
Interessanter Denkansatz – und nachvollziehbar. Nur einen Punkt verstehe ich nicht so recht: Geht es den US-Ökonomen nicht gerade darum, höhere Inflationserwartungen zu wecken, um eine Deflation zu verhindern? Denn noch kann ich sehr gut verstehen, dass Angst davor herrscht, zumal man ja ab und zu liest, dass Notenbanker Inflation für leichter beherrschbar halten als Deflation (ob das ist, weiß ich natürlich nicht).
@ Holger
Die Notenbanker wie die FED glauben das Inflation immer besser als Deflation ist. Allerdings finde ich gibt es da einen gewissen Unterschied, welche Art Inflation vorherscht. Der klassische Fall ist ja das die Löhne steigen, dadurch wird mehr Geld ausgegeben und das zieht dann die Preise hoch. Hier kann die Notenbank sehr gut steuernd eingreifen.
Hier allerdings schlägt sich die Inflation dagegen auf die Rohstoffpreise und Produktpreise nieder. Dazu in Regionen die außerhalb der USA liegen. Da die USA eher mehr importieren als exportieren wird sich deren Handelsbilanzdefizit noch weiter ausweiten. Dazu werden die Arbeiter zwar die höheren Preise zahlen müssen, aber aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit kann ich mir kaum vorstellen, dass die Löhne entsprechend steigen werden. Dadurch kann die Wirtschaft nicht wachsen, da eher weniger als mehr Produkte nachgefragt werden.
Die Fed ist daher in einem großen Dilemma. Sie fühlt sich verpflichtet die Wirtschaft durch Ausweitung der Geldmenge anzukurbeln, aber die Resultate kommen nur in Form von teueren Importen ins Land, ohne das mehr Menschen in den USA mehr Arbeit haben.
Hmm, ja, klingt einleuchtend. Das wäre dann so etwas wie das alte Schlagwort von der “Stagflation”, oder? Na ja, bin mal gespannt, wie lange uns diese Krise noch verfolgt. Hoffentlich nicht Jahrzehnte…
Hmm langsam vermute ich die USA können sich noch glücklich schätzen wenn es nur eine Stagflation wäre, die auf die zukommt.
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