Der Rohstoffhandel der Investmentbanken

August 2, 2010 by
Filed under: Rohstoffe 

Der Rohstoffhandel ist seit jeher von erhöhter Volatilität geprägt und dem Wunsch einzelner Martkakteuere den Preis in eine gewünschte Richtung zu lenken. Doch immer mehr nehmen sich die Investmentbanken diesen Bereich der Wirtschaft vor und versuchen an allen möglichen Stellen entlang des Rohstoffhandels kräftig zu verdienen. Oft bieten die Investmentbanken den Verbrauchern der Rohstoffe genau dann solche Finanzprodukte an, die durch das Handeln der Banken erst erforderlich wurden. Fakt ist, der Rohstoffmarkt ist einer der volatilsten und extreme Preisschwankungen sind keine Seltenheit. Die Banken sorgen dafür, dass das auch so bleibt, denn so verdienen sie prächtig mit den Rohstoffen. Leidtragende dabei, die weiterverabeitende Industrie und Privatanleger.

Die FTD hat nun in einem äußerst interessanten Artikel nun mal die Geldabschöpfungskette der Investmentbanken durchleuchtet. Natürlich ist wieder einmal vorallem die Bank involviert, die von sich behauptet Gottes Werk zu tun, Goldman Sachs. Aber auch die anderen wie vorallem JP Morgan und Morgan Stanly sind dick im Rohstoffgeschäft vertreten. Die Deutsche Bank stockt derweil ihre Kapazitäten im Rohstoffhandel deutlich auf, um zu den amerikanischen Investmentbanken aufzuschliessen.

Das bedenkliche an dem Engagement der Banken bei dem Handel mit Rohstoffen ist nicht das sie es tun. Eigenhandel gehört nunmal zum Geschäft, aber das sie versuchen an jeder nur denkbaren Stelle in der Kette von der Mine, Quelle bis hin zum Verarbeiter Geld abzuschöpfen. Damit verteuern sich die Preise und haben mit einer reinen Spekulation auf die künftige Martkentwicklung wenig zu tun. Im Gegenteil die Investmentbanken gewinnen deshalb so viel, weil sie mehr als alle anderen Martkteilnehmer wissen. So sind die Banken groß in das Geschäft mit Lagerhäusern eingestiegen, aber auch Öltanker die als schwimmende Lagerhäuser verwendet werden. So werden erstmal Möglichkeiten geschaffen , zeitliche Preisdifferenzen an den Terminmärkten auszunutzen. Ist Öl zu sofortiger Lieferung billiger als auf Termin, wird es eingelagert und die Bank streicht risikolos Gewinne ein. Doch ein weiterer Grund für den Einstieg in den physischen Handel ist das Sammeln von Informationen. So sind die Investmentbanken die ersten die erfahren, wenn in der Transportkette Störungen auftreten oder sich Angebot und Nachfrage plötzlich verändern. Diese Informationen werden dann an den Terminmärkten ausgenutzt. So schaffen sich die Investmentbanken eine Marktübersicht Rohstoffe flexibel ausnutzbar. Privatanleger werden dabei gnadenlos ausgenommen, denen die Banken auch gleich die passenden Fonds, ETFs und Zertifikate unterjubeln.

Darüber hinaus bieten die Investmentbanken Firmen Absicherungen an, um sie vor Rohstoffpreischwankungen zu versichern. So erlaubt es den Firmen bis zu einem Jahr im Vorraus die Preise zu planen. Doch die Margen bei diesen Absicherungsgeschäften sind enorm. Das liegt vorallem auch an der hohen Volatilität der Rohstoffpreise. Volatilität ist ein Haupteinflussfaktor für die Preise von Optionen. Ansich ein für die Firmen ein dienliches Geschäft. Wenn die hohe Volatilität nicht wäre, die manchmal dazu führt das die Kosten für die Optionen so teuer werden, wie die zu erwartenen Preissteigerungen. Und ausgerechnet die Investmentbanken die diese Versicherungen verkaufen, sorgen mit ihren massiven Rohstoffspekulationen dafür das die Volatilität hoch bleibt.

So verdienen die Investmentbanken im Rohstoffgeschäft mit Metallen, Öl und Strom doppelt und dreifach. Die Finanzmarktreform in den USA wäre eine gute Gelegenheit gewehsen die Interessengeflechte aufzulösen. Wer Absicherungsgeschäfte auf Rohstoffe seinen Bankkunden anbietet, sollte nicht gleichzeitig im Eigenhandel dafür sorgen, dass diese Absichern müssen und die Preise der Absicherungen hochtreiben. Oder aber die Banken müssten so klein sein, dass diese keinen maßgeblichen Einfluss auf den Handel haben. Doch davon kann bei einer Investmentbank wie Goldman Sachs, die drei Milliarden Dollar allein an physische Rohstoffe unter Kontrolle hat, nicht die Rede sein. Goldman Sachs, JP Morgan, Morgan Stanley und die Bank of America machten 2009 dazu Derivate- und Termingeschäfte in Rohstoffen in Höhe von 4 Billionen Dollar. Der gesamte weltweite Ölmarkt umfasst dagegen nur 2 Billionen Dollar.

Mehr zum Thema:
FTD: Wie Investmentbanken die Preise manipulieren

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