Die FED Politik – Ursache oder Lösung des Problems?

August 3, 2009 by
Filed under: Notenbanken 

Die FED bekämpft diese Finanzkrise wie auch schon die letzte Krise dadurch, die Kapitalmärkte über niedrige Leitzinsen mit Kapital zu fluten um so eine Rezession zu bekämpfen und abzumildern. Die FED will eine Deflation um jeden Preis verhindern, wenn nötig sollen dafür auch Staatsanleihen gekauft werden, genannt “quantitive easing”. Angefangen hat diese Politik Alan Greenspan die zum ersten mal beim Zusammenbruch von Long-Term Capital Management (LTCM) 1998 betrieben wurde, hier wurden die Leitzinsen deutlich gesenkt um die Kapitalmärkte mit Liquidität zu versorgen um einen mögliche Krise abzuschwächen und zu verhindern. Sein Nachfolger Ben Bernanke hat diese Politik nun zu seiner eigenen gemacht und greift in der jetzigen Finanzkrise zu allen möglichen Mitteln der FED um die Märkte mit Kapital zu versorgen. Die FED hat die Leitzinsen nahezu auf Null Prozent gesenkt und kauft massiv US Staatsanleihen oder gar Unternehmensanleihen auf.

Das Börsennotitzbuch hat nun einen interessanten Artikel veröffentlicht, der auf die Diskussion eingeht ob die Handlungen der FED nun gerechtfertigt sind und diskutiert dabei die Frage ob die FED Blasen am Finanzmarkt erkennen soll und bekämpfen oder eben nicht. Vorallem Allan Greenspan sah die Aufgabe der FED eher darin erst hinterher einzuschreiten um die Scherben nach dem Platzen einer Blase aufzusammeln. Diese Politik feierte unter seiner FED Amtszeit erfolge und wurde weithin gelobt. Doch dieses Vorgehen wird im Angesicht der Finanzkrise immer mehr kritisiert. Das Börsennotizbuch sieht dagegen die Grundzüge der Politik von Alan Greenspan als richtig an, doch wurden die meisten Fehler durch eine sträflich vernachlässigte Regulierung ausgelöst, die nicht in der Lage war für ausreichende Kapitaldecke und Risikovorsorge bei den Hypothekenanbietern und Banken zu sorgen.

Das sehe ich etwas anders. Die FED steckt tendenziell in einem gewaltigen Dilemma. Leitzinsänderungen benötigen eine lange Laufzeit, bevor sie eine Wirkung an den Kapitalmärkten und der Wirtschaft entfalten können. Dies hängt damit zusammen, dass die Banken oft über langfristige Tender von 9 Monaten das Geld bei der Zentralbank leihen. Normalerweise liegen diese bei etwa 9 Monaten, in der Finanzkrise wurde die Laufzeiten allerdings nun auf eine Laufzeit von einem Jahr ausgedehnt. Die FED müsste also bis zu einem Jahr im Vorraus die wirtschaftliche Entwicklung kennen um zum richtigen Zeitpunkt zu handeln. Doch andererseits wird in den USA auch ein gewaltiger poltischer Druck auf die FED ausgeübt, doch hier richtet man sich in erster Linie nach den Arbeitslosenzahlen und den Staatsdefiziten, diese sind aber alles andere als ein Frühindikator und hinken der tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklung deutlich hinter her. Die Fed ist meiner Meinung nach gar nicht in der Lage zeitnah auf Krisen zu reagieren d.h. rechtzeitig die Märkte mit Liquidität zu fluten um die Krise zu bekämpfen und rechtzeitig das Geld wieder abzusaugen.

Dagegen führt wie in der Vergangenheit gezeigt die zugeschossene Liquidität zu der Bildung von neuen Blasen. Diese können auch nicht durch Regulierung Einhalt geboten werden. Denn ähnlich beim Bruch eines Deiches sucht sich das Geld diejenige Stelle an der es am leichtesten zu einer Blase kommen kann, so wie in der letzten im Immobilienmarkt. Die Blasen sind nicht an ein bestimmtes Gut gekoppelt, was die legendäre Tulpenblase in den Niederlanden verdeutlichen sollte. Daneben führt zu billiges Geld dazu, dass viele Leute geradezu zum spekulieren gezwungen werden. Es sind viele Insitutionen ob nun Pensionskassen, Versicherer, Banken, ganze Staaten oder auch vermögende Privatleute die riesige Summen an Geld anlegen müssen. Sinken hier die Leitzinsen zu stark fehlen die Möglichkeiten um mit einer risikoarmen Anlage durch Zinsen Geld zu verdienen. Hier müssen nun die Institutionen den Wegfall der Rendite durch ein erhöhtes Risiko ausgleichen. Werden ihnen dann wie in der Immobilienblase geschehen hohe Renditen mit einer hohen Bonität AAA angeboten, können sie dabei fast gar nicht nein sagen. Dagegen wirken niedrige Leitzinsen in der Bevölkerung wie Gift, es wird weniger gespart da ein Konto bei der Bank so gut wie nichts mehr abwirft, dagegen aber Kredite immer günstiger angeboten werden. Dies fürht für viele zu einer hohen Abhängigkeit insbesondere vom Arbeitsplatz, da man weniger Reserven hat und womöglich noch Kredite bedienen muss. Besonders in den USA hat sich das weit verbreitet, im Gegensatz dazu zeichnet sich China durch eine extrem hohe Sparquote aus und kann so nun in der Krise durch eine erhöhte Binnennachfrage profitieren.

Dazu kommt ein äußerst verhängisvoller Effekt, dass nämlich jede Rettung nach dem Platzen einer Blase mehr Liquidität erfordert und damit eine noch größere Blase auslösen wird. Dies kann man an der Finanzmarktentwicklung gut verfolgen. Angefangen hat alles relativ harmlos mit dem Zusammenbruch von LCTM 1998. Diese Liquidität hat mit zur Dotcom Blase beigetragen die dann 2001 geplatzt ist, hier waren schon wesentlich höhere Summen involviert als noch 1998. Und die jetzige Finanzkrise hat alle Summen aus der Dotcom Blase weit in den Schatten gestellt. Dies lässt einem für die nächste Blase Angst und Bange werden, denn wenn die FED ihre Politik nicht grundlegend ändert, wird diese weit schlimmer ausfallen als die jetzige Finanzkrise. Es ist zwar unbestreitbar das aktuell die niedrigen Leitzinsen vorallem die Banken vor Schlimmeren bewahren und so die kommenden hohen Kreditausfallraten besser verarbeiten können, doch es muss ein Ausgang aus diesem immerwährenden Zyklus zwischen Blase und Crash gefunden werden, denn die nächste Finanzkrise wird höchst wahrscheinlich nicht mehr handhabbar.

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