Die immerwiederkehrende Pest der mortgage backed securities MBS

October 15, 2010 by
Filed under: Finanzkrise 

Die mortgage backed securities kurz MBS, die erst die amerikanische Immobilienblase und deren Verrücktheiten befeuerte, um dann die Finanzwelt 2008 fast zum Zusammenbruch geführt haben ist wie die Pest im Mittelalter. Wenn man denkt nach all den Schäden es wäre überstanden, taucht sie wieder auf um erneut die Finanzwelt ein weiteres Mal zu bedrohen. Diesmal geht es um keine geringere Frage ob diejenigen, die die MBS halten überhaupt Eigentümer des Schuldscheines sind und somit Zwangsversteigerungen durchführen können. Denn durch die hoch komplizierte Strukturierung haben die Investmentbanken ein Chaos geschaffen in dem dies nicht mehr rechtlich einwandfrei nachweisbar ist. Dies könnte dazu führen das bisher durchgeführte Zwangsversteigerungen illegal waren und das im Grunde jeder Hausbesitzer sich in seinem Haus gemütlich einrichten kann, ohne überhaupt seine Hypothekenschuld zu bedienen, denn er kann nicht durch Zwangsversteigerung aus dem Haus geworfen werden.

Die Problematik hatte ich gestern schon in meinem Artikel über die Geschäfte aus Insiderinformationen der Investmentbanken bei MBS kurz gestriffen. Heute ist mir deutlich klarer welche Vorgänge zu dem ganzen Schlamassel geführt haben und welche bedrohlichen Ausmaße es für die gesamte Finanzwirtschaft insbesondere Amerika und den Dollar annehmen könnte. Denn niemand geringeres als die FED selbst ist der größte Halter von MBS in Höhe von über einer Billion Dollar. Sie hat diese in der Finanzkrise aufgekauft, weil sich schon damals kein Käufer mehr dafür gefunden hat. Mit der Aussicht nun auch nicht mal durch Zwangsversteigerungen Geld aus den faulen Krediten zu bekommen, dürfte sich deren wirklicher Wert weiter gegen Null bewegen. Die Fed müsste also erneut massiv Geld drucken, oder der amerikanische Staat enorm verschulden um die Bilanz wieder auszugleichen. Dies könnte allerdings der finale Todesstoß für den Dollar bedeuten. Aber auch all die Investmentbanken stehen plötzlich wieder einmal durch die MBS vor einer existenzbedrohenden Gefahr und der ohnehin schwache Immobilienmarkt könnte völlig zum stehen kommen.

Ablauf einen Hypothekenhandels

Doch wie kam es zu dieser völlig absurden Situation. Nur derjenige der rechtmäßig den Hypothekenwechsel besitzt kann auch vor Gericht eine Zwangsräumung und Zwangsversteigerung beantragen, wenn die Hypothekenzinsen nicht mehr bedient werden. Also nicht einfach die Hypothek sondern das tatsächlich vom Hypothekennehmer unterschriebene Dokument. Um dieses nun rechtmäßig auf andere Personen zu übertragen, muss es auf diesem original Dokument vermerkt werden. Dies war bisher früher noch nie ein Problem, denn meist blieb die Hypothek bei dem ursprünglichen Kreditgeber und auch die entsprechenden Hypothekendokumente. Bei einem MBS aber bei dem die einzelnen Hypothekenkredite typischerweise über bis zu 5 Stationen liefen, muss also von jeder einzelnen Zwischenstation ein entsprechender Vermerk auf diesem Dokument existieren.

MBS richten völliges rechtliches Chaos an

Bei einem MBS ging es den Investmentbanken jedoch darum die Risiken aufzuteilen und den ganzen Prozess möglichst unkompliziert abzuwickeln. Ein MBS war nämlich ein Pool aus unzähligen einzelnen Hypotheken aufgeteilt in verschiedene Tranchen. Diese Tranchen stellten unterschiedliche Risiken dar und wurden mit unterschiedlichen Renditen und Ausfallwahrscheinlichkeiten ausgestattet. Fallen Kredite aus, so sind als erstes die untersten also riskantesten Tranchen betroffen. Die einzelnen Tranchen eines MBS wurden an verschiedene Investoren verkauft, je nach deren Risikohunger. Da nun aber niemand, erst recht nicht die Investmentbank wissen konnte welche der Kredite nun konkret ausfallen werden, sonst hätte man es sich ja auch gleich sparen können, waren die einzelnen Hypotheken nur lose an die einzelnen Tranchen verknüpft. Eine einzelne Hypothek gehörte im Grunde allen Tranchen eines MBS. Erst in dem Moment wenn eine Hypothek tatsächlich ausfiel, wurde sie einer spezifischen Risikotranche des MBS zugeordnet. Also der die in der Reihenfolge des Risikos am nächsten dran war.

Um das alles zu organisieren hatten die Banken die Hypotheken digitalisiert und liefen über das MERS the Mortgage Electronic Registration System. Dieses System gehörte den beiden Kernzellen der Krise Fannie Mae and Freddie Mac. In diesem elektronischen System wurden die Hypotheken verwaltet und wenn eine Ausfällt einer entsprechenden Tranche zugeordnet. Doch rechtlich gesehen hat MERS nie eine der Hypotheken tatsächlich gehört. Eigentlich sollten sie REMIC’s gehören. REMIC’s sind dabei wieder künstlich strukturierte investment vehicle die dazu dienen als Treuhänder in diesem System zu fungierten. Doch hier kommen wenns hässlich wird wieder die Ratingagenturen ins Spiel. Denn REMIC’s musste als Treuhänder quasi Bankrottsicher sein und daher nicht wirklicher Eigentümer der Hypotheken.

Irgendwo also zwischen MERS und den REMIC wurde die Kette der Vermerke auf den Hypothekenwechseln unterbrochen. Um aber einen tatsächlichen Verkauf einer Hypothek einzuleiten muss das Dokument physisch übergeben werden und entsprechende Eintragungen vorgenommen werden. Es spielt keine Rolle wie oft ein Wechsel gehandelt wird, es kommt darauf an das ein lückenloser Nachweis der einzelnen Eigentümer der Hypothek im Dokument vermerkt wird. Wenn aber diese Kette unterbrochen wird, schuldet der Hypothekennehmer niemandem mehr etwas. Richtig rein gar nichts mehr.

Entstehung des Zwangsversteigerungsskandals auch foreclosure gate genannt

Dies war bisher aber kaum ein Problem, als nur wenige Zwangsversteigerungen zu bewältigen war. Eigentlich niemand der eine Hypothek abgeschlossen hat und weiß das er die Raten nicht bezahlt hat besteht auf die Ansicht der Hypothekenunterlagen. Er akzeptiert es einfach, weil er damit schon gerechnet hat. Doch durch die Finanzkrise und dem platzenden Immobilienmarkt sind nun Hundertausende, Millionen von Zangsversteigerungen bedroht. Darunter finden sich dann immer mehr die nach ihren Unterlagen verlangen. Nun stellen die Banken ganze Anwaltskanzleien sogenannte “forclosure mills” an die auf nichts anderes als Zwangsversteigerungen spezialisiert sind um mit der Flut an Verfahren fertig zu werden. Denen fiel natürlich sofort auf das die entsprechenden Vermerke fehlen und haben dann nachträglich die Dokumente gefälscht um entsprechende Vermerke einzutragen.

Dies an sich sollte schon für Aufsehen sorgen, doch das ganze wurde erst zu einem Problem als Versicherungsgesellschaften die den Käufer eines Hauses vor Rechtsmängeln versichern sollten, ablehnten diese mehr auszustellen. Da sie sich nicht mehr dem Risiko aussetzen wollten, dass eine Bank eben wegen dieser nicht vollständigen, oder gefälschten Vermerke auf den Hypothekendokumenten ein Haus unrechtmäßig zwangsversteigert hat. Aus diesem Hintergund haben nun die 50 US Bundesstaaten die Ermittlungen wegen dem Zwangsversteigerungsskandal aufgenommen. Wie ernst die ganze Sache genommen wird zeigt das JP Morgan Chase und die Bank of America haben alle ihre noch laufenden Zwangsversteigerungen ausgesetzt haben und bisherige nachprüfen. Bei JP Morgan betrifft das 115.000 Zwangsversteigerungsverfahren. Das zeigt vor was für einem ernsten Problem die Investmentbanken stehen.

MBS könnten zu einem perfekten Sturm an den Finanzmärkten führen

Nun hat die US Regierung unter Obama und der US Kongress das Problem wieder Rechtssicherheit herzustellen und ein Verfahren politisch durchzusetzen das den ganzen Schlamassel wieder in Ordnung bringt, denn die Investmentbanken mit ihren MBS angerichtet haben. Ansonsten könnte ein wahrlich perfekter Sturm über die Finanzmärkte fegen der den Zusammenbruch von Lehman Brothers wie ein laues Lüftchen erscheinen lässt. Der Immobilienmarkt könnte komplett lahmgelegt werden, da niemand sicher sein kann, ob das Haus das er von einer Bank bei einer Zwangsversteigerung erworben wurde, auch rechtmäßig zwangsversteigert wurde. Die ganzen Billionen Dollar die in Form von MBS immer noch durch den Markt schwirren und zum großen Teil von der FED gehalten werden könnten wiedereinmal auf einen Schlag enorm an Wert verlieren wenn nicht gar wertlos werden, da den Investoren klar wird, dass im Grunde die Sicherheiten mit denen die Hypotheken besichert wurden nicht mehr angerührt werden könnten. Die Hausbesitzer könnten ihre Hypothekenzahlungen einstellen, da auch ihnen klar wird das sie nicht aus dem Haus vertrieben werden können.

Mehr zum Thema:

ZeroHedge: Gonzalo Lira On The Second Leg Down Of America’s Death Spiral
ZeroHedge: Guest Post: Why Is the White House Against Freezing Foreclosures? A Look At The Fed’s Suddenly Worthless Trillions In MBS Holdings
naked capitalism: Josh Rosner: “Could Violations of PSA’s Dwarf Lehman Weekend?”
Calculated Risk: JPM conference call comments on Foreclosure-Gate

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