EU öffnet das Faß ohne Boden – Hilfen für Griechenland

April 12, 2010 by
Filed under: Finanzkrise 

Wie schon in meinem letzten Artikel vermutet, hat die EU rechtzeitig vor den nächsten anstehenden Anleiheemissionen kalte Füße bekommen und hat sich nun auf konkrete Hilfszusagen eingelassen. Von marküblichen Zinsen ist bei dem Hilfspaket in Höhe von 45 Milliarden keine Rede mehr, lediglich 5% müsste Griechenland für einen solchen 3-jährigen Notfallkredit zahlen. Lächerlich gering angesichts der Probleme in die dieser Kredit die EU und insbesondere Deutschland stürzt. Denn was für Griechenland gilt für auch für all die anderen PIGS Staaten gelten und Deutschland ist somit offiziell der “Lender of Last Resort” in Europa. Insgesamt 8,4 Milliarden Euro entfallen von diesem Notfallkredit auf Deutschland. Dementsprechend kurz fiel auch der Anstieg des Euros aus, der lediglich von Shorteindeckungen getrieben war. Langfristig wird der Euro eine weiche Währung.

Griechenland wird mit niedrigen Zinsen beschenkt

Besonders Angela Merkel hatte sich immer wieder für marktübliche Zinsen ausgesprochen, 5% sind davon jedenfalls weit entfernt. Zuvor lagen die Anleihezinsen für Griechenland bei um die 7%, wenn überhaupt noch jemand bereit war neue Anleihen zu zeichnen. Damit ist das schon eine klare Subvention der Griechen. Manche würden da in einer Milchmädchenrechnung meinen das Ganze ist doch für Deutschland ein gutes Geschäft, kann doch Deutschland als eines der Länder mit der von Kapitalmarkt besten Bonitätseinschätzung günstig zu etwa 3% Geld an den Kapitalmärkten aufnehmen und somit könnte man sich bei der Zinsdifferenz von etwa 2% sich jährlich 148 Millionen Euro durch die Hilfskredite einstreichen. Würde allerdings durch die nun beschlossenen Hilfszusagen der Kapitalmarkt seine Einschätzung zu der deutschen Bonität nur leicht verändern, so kommt das Deutschland teuer zu stehen, allein ein Anstieg der Zinsen um 0,1 Prozentpunkte würden Mehrkosten in Höhe von 1,8 Milliarden Euro verursachen, angenommen Deutschland schulde sich komplett um.

Doch mit den Zinsen hat man sich gleich noch ein zweites Mal ins Knie geschossen. Dadurch das die Zinsen so deutlich unter den Marktzinsen liegen, werden die Griechen geradezu dazu verleitet das Hilfspaket anzunehmen, sollte der Markt sich nun nicht plötzlich von der 5% Zusage beindrucken lassen. Wer zahlt schon freiwilig an die 7% wenn er sich auch für 5% finanzieren kann. Die Finanzmärkte dagegen scheinen nur wenig gewillt zu sein, sich diesem neuen Zinsniveau für Griechenland anzunäheren, die 10 jährigen Anleihen werden immer noch bei 6,6% gehandelt und dies angesichts einer quasi Garantie für Griechenland.

Um auch noch jedem klar zu machen was für ein Kuhhandel da Griechenland mit der EU gelungen ist, verkündet auch noch ein griechischer Offizieller das es eigentlich logisch wäre, wenn die Hilfen einmal feststehen, dasss diese eigentlich 80 Milliarden Euro in den kommenden 3 Jahren betragen würde. Dies ist natürlich ein schönes Dankeschön für die Hilfe und ruiniert gleichzeitig noch weiter die desaströse griechische Bonität.

Damit ist das Faß geöffnet

Somit ist klar das Griechenland immer weiter geholfen werden wird und auch geholfen werden muss. Ich gehe eigentlich schon davon aus, dass schon am Dienstag nach der nächsten Auktion neuer Anleihen Griechenland die Hilfen in Anspruch nehmen wird, denn man selbst wird keine 5% am Markt bekommen. Und auch die Anleihefonds haben damit ein klasse Geschäft gemacht, so haben sie bisher an den hohen Renditen griechischer Staatsanleihen ein Bombengeschäft gemacht, obendrauf mit willfähiger Mithilfe der Politiker gleichzeitig nun auch noch eine explizite Staatsgarantie zum abkassieren erhalten und dazu gleichzeitig auch noch die Bonität Deutschlands angeschlagen. Denn die meisten Fonds werden die weitaus größeren Positionen in deutschen Staatsanleihen halten. So werden hier schon kleine Ausschläge deutlich höhere Gewinne bringen als ein kleiner Zock in griechischen Papieren.

Die nächsten Staaten der sogenannten PIIGS Länder werden dann auch bald Schlange stehen um Hilfen zu erhalten. Warum soll Griechenland als einziges Land der EU mit 5%-Krediten subventioniert werden. Auch andere Länder wie Spanien, Portugal oder Italien ächzen unter hohen Schulden und sinkender Bonität. So wie das Desaster in der Finanzwirtschaft mit dem Bailout von LTCM 1998 angefangen hat, dass sich dann bis zum Zusammenbruch von Lehman Brothers fortsetzte, so werden die Griechenlandhilfen für Europa und den EU ein großes Problem in den kommenden Jahren werden.

Wenn man sich schon auf eine Nothilfe einigt, hätten es Zinsen sein müssen, die Griechenland und auch andere davon abhält diese Hilfpakete anzunehmen. Zwar ist das im Einzelfall bedauerlich, wenn ein kleines Land unter so hohen Schulden leidet und auch noch hohe Zinsen zahlen muss, andererseits darf man das Problem nie auf Griechenland allein reduzieren. Die Hilfen werden nun in ähnlicher Ausführung auch für andere Staaten in Europa bereitstehen.

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Kommentare

2 Comments on EU öffnet das Faß ohne Boden – Hilfen für Griechenland

  1. S. Meyer on Tue, 13th Apr 2010 07:42
  2. Klare Worte zum Thema, während sich die normale Presse darauf beschränkt zu betonen, dass Deutschland bei dem Geschäft der Zinsen gewinnt, der Fall des Euro gestoppt und jetzt sowieso alles besser wird.

    Das Fass ohne Boden wurde übrigens schon damit eröffnet, dass Banken Systemrelevant sind und somit nicht Pleite gehen dürfen. Was für Banken gilt, oder Versicherungen, oder für einen Autobauer, Druckmaschinenhersteller u.s.w. muss erst Recht für Staaten gelten.

    Durch Hilfen dieser Art wird dem Markt die Möglichkeit genommen sich selbst zu reinigen – Insofern bleibt die Chance wie beim Roulette 50/50 das sich das System fängt und halbwegs normal aber nicht gerecht weiter läuft, oder das irgendwann das Geld ausgeht um noch weiter zu helfen.

    [...] verkündete Rettungsaktion der EU für Griechenland hat nicht lange angehalten. Gerade mal etwas mehr als eine Woche ist vergangen und die Renditen der [...]

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