MACD Indikator – bekanntester Oszillator der technischen Analyse

October 26, 2008 by
Filed under: Börsenwissen, Indikatoren 

Der MACD oder auch (Moving Average Convergence/Divergence)-Indikator ist der wohl mit am häufigsten eingesetzte Indikator für die technische Analyse von Aktienkursen, Devisenkursen oder Indexcharts. Eigentlich jede Handelssoftware oder -plattform enthält auch den MACD-Indikator. Er wurde 1979 von Gerald Appel entwickelt.

Dies ist der Start einer kleinen Serie über den MACD.
- Der vorliegende Teil 1 behandelt die Grundlagen des MACD-Indikator
- Teil 2 geht auf das Erkennen und Ausnutzen von Divergenzen im MACD ein.
- Teil 3 behandelt das Kombinieren verschiedener MACD Einstellungen.
- Teil 4 Seitwärtsphasen mit dem ADX herausfiltern

Teil 1 Grundlagen des MACD-Indikator

Auch ich habe hier schon des öfteren den MACD Indicator in Charts meiner Artikel verwendet und nun ist es an der Zeit, für diejenigen die ihn bisher nur am Rande kennen, ihn näher zu erläutern. Er ist ein hervorragender Oszillator um Trends zu bestimmen und funktioniert in allen Zeitebenen. Besonders gut eignet er sich allerdings für langfristige Trendanleger. Dagegen ist er für das kurzfristige Traden weniger geeignet. Er gibt klare Signale für den Kauf oder Verkauf von Werten. Allerdings sind wie bei allen Oszillatoren die Signale mit Vorsicht zu geniessen und sollten nie alleine für eine Anlageentscheidung verwendet werden.

DAX-MACD

Erstellung des MACD

Im obigen Bild ist der Monatschart des DAX in einem Zeitraum von 10 Jahren, sowie zwei exponentielle gleitende Durchschnitte (EMA) zu sehen. Darunter ist der MACD Indicator dargestellt. Die Darstellung des MACD enthält zwei verschiedene Linien, einmal den MACD selbst, als die blaue Linie und einer zweiten Linie der sogenannten Signallinie, hier gestrichelt dargestellt.

Der MACD wird durch Subtraktion eines längfristigen und eines kurzfristigen exponentiellen gleitenden Durchschnittes gebildet. In vorliegendem Beispiel aus einem 26 Monate umfassenden und einem 12 Monate umfassenden exponentiellen gleitenden Durchschnitt. Es wäre auch die Verwendung einfacher gleitender Durchschnitte möglich, aber exponentielle Durchschnitte bilden Trends in den Kursen zuverlässiger ab. Die Wahl der anderer EMAs ist durchaus möglich, in den meisten Fällen wird aber ein 26er und ein 12er EMA benutzt. Hier liegt es an jedem Anwender die für einen bestimmten Wert und bestimmte Anlagestrategie günstigste Kombination herauszufinden.

MACD = EMA(12) – EMA(26)

Die Signallinie wiederum wird aus einem exponentiellem gleitenden Durchschnitt der MACD Linie ermittelt. In vorliegendem Beispiel aus einem 9er exponentiellen gleitenden Durchschnitt. Auch hier lässt sich für jeden Wert und Strategie die optimale Signallinie ermitteln, meist ist der 9er EMA standartmässig vorgeschlagen.

Grundlegende Aussagen des MACD

- Bei steigendem Markttrend wird der kurzfristige Durchschnitt schneller steigen als der langfriste und somit wird die MACD-Kurve ansteigen.

- Verliert der Trend an Stärke flacht sich der kurzfristige Durchschnitt ab und wird bei anhaltenden Kursrückgängen unter den langfristigen Durchschnitt fallen. Das hat für den MACD die Folge, dass er die Nulllinie passiert.

- Sich abschwächende Trends verursachen eine Richtungsänderung der MACD-Kurve. Klare Trendumkehrsignale können aber erst bei Eintreten weiterer Anzeichen geliefert werden. Im folgenden dazu mehr.

Handelssignale durch den MACD

Grundlegende Signale:

Wenn die MACD-Linie die Signallinie von unten nach oben kreuzt, ist das als Bestätigung eines Kaufsignales zu werten. Kaufsignale entstehen immer dann, wenn die MACD-Kurve die Richtung von abwärts nach aufwärts ändert.

Wenn die MACD-Linie die Signalinie von oben nach unten kreuzt bestätigt das ein Verkaufsignal, dass durch die Richtungsänderung der MACD-Kurve von aufwärts nach abwärts ausgelöst wurde.

Ergänzende Regeln:

Die grundlegenden Regeln sind an sich noch nicht fein genug und können selbst häufig Fehlsignale produzieren. Es ist daher sinnvoll ergänzende Regeln aufzustellen, um nur hochwertige Signale in konkrete Kauf oder Verkäufe zu übertragen.

- Kaufsignale sind deutlich verlässlicher, wenn der MACD Indicator seit dem letzten Verkaufsignal die Nullinie von oben nach unten durchkreuzt hat. Es muss sich nicht völlig unter der Nulllinie befinden bei einem Kaufsignal, es reicht schon aus, wenn er seit dem letzten Verkaufsignla einmal die Nullinie durchbrochen hat.

- Für Verkaufsignale gilt eine ähnliche Regel, nur sollte hier der MACD seit dem letzten Kaufsignal einmal die Nullinie nach oben durchkreuzt haben.

- In besonders starken Marktphasen einer Hausse oder Baisse kann es durchaus sein, dass der MACD nur auf knapp über bzw. unterhalb der Nullinie zurückgeht. Hier sind die vorrangegangenen ergänzenden Regeln nicht all zu genau zu nehmen.

Marktsignale aus dem Beispielchart

Wenn man sich den dargestellten Chart näher anschaut, wird man feststellen, dass man hier als Langfristanleger mit den durch den MACD Indikator gelieferten Signalen sehr gut leben konnte. In der letzten Hausse wurde ein sehr gutes Kaufsignal im April 2003 geliefert, dass nach den Regeln im Juni 2003 bestätigt wurde. Man hätte also im Folgemonat zwischen 3200 und 3400 in den DAX einsteigen können, falls man die Bestätigung abgewartet hat.
Im Januar 2008 wurde dann das Verkaufssignal aus dem Dezember 2007 bestätigt und man wäre noch gut zwischen 6600 und 6800 wieder aus dem DAX rausgekommen.
Die Performance für 5 Jahre liegt nun bei 100%. Ist zwar nicht berauschend aber immerhin noch besser als ein Sparbuch. Auch ist das gewählte Beispiel ein sehr träges und wer die letzten Wochen am Aktienmarkt miterlebt hat weiß, was sich alles innerhalb eines Monates alles ereignen kann. Allerdings haben wir hier gute Signale, die sich ohne großen Zeitaufwand und ohne große Analyse umsetzen lassen, dafür ist die Performance garnicht mal so schlecht. Zumal auch das Verkaufssignal aus dem July 2000 uns vor Schlimmeren bewahrt hätte. Allerdings wären wir hier nur durch die Ausnahme in den ergänzenden Regeln überhaupt im DAX angagiert gewehsen, da das vorrangehende Kaufsignal ansonsten durch die erste ergänzende Regel hinfällig geworden wäre.

In einem folgenden Artikel werde ich noch auf Divergenzen eingehen und weitere Feinheiten vorstellen um genauere und schnellere Signale zu bekommen.

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Kommentare

2 Comments on MACD Indikator – bekanntester Oszillator der technischen Analyse

    [...] soll die kleine Serie zu dem MACD Indikator fortgesetzt werden. Ich hatte ihnen neulich die Grundlagen des MACD Indikators vorgestellt. Im gezeigten Beispiel des langfristigen DAX-Verlaufes auf Monatschartbasis konnte man [...]

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