Nun also auch Japan mit Schuldenproblem?
Erst vor kurzem habe ich darüber geschrieben, dass vorallem die vielen kleinen Staaten immer wieder den Fokus der Öffentlichkeit auf die Schuldenprobleme der Eurozone lenken, wobei es auch andere Länder gibt die deutlich mehr Schulden angehäuft haben. Dies auch gerade aus dem Grund weil immer irgendein Politiker die Probleme seines Landes auf der Jagd nach Aufmerksamkeit deutlich ausspricht, so hätte fast die neue ungarische Regierung mit solchen Äußerungen die eigene Kreditwürdigkeit endgültig abgeschossen. Das man aber in der Öffentlichkeit den letzten Rest an Fasade der eigenen staatlichen Kreditwürdigkeit in ein paar Sätzen hinwegfegen kann, ohne das es die Kreditmärkte interessiert, beweist der neue japanische Premierminister Naoto Kan.
So hat der neue japanische Premier Naoto Kan in einer seiner ersten bedeutenden Reden gesagt, sein Land bräuchte eine tiefgreifende finanzielle Restrukturierung um eine Griechenland ähnliche Situation zu vermeiden. Dabei müsste er mitlerweile wissen, dass allein das Wort Griechenland in Verbindung mit den eigenen Staatsfinanzen die Finanzmärkte in Panik versetzen kann. Und da ihm das wohl nun nicht genug war, setze er noch nach, dass die finanzielle Situation seines Landes die schlimmste aller entwickelten Länder geworden ist. Aber hat es einen Sturm der Panik oder einen Angriff durch Spekulanten dadurch gegeben? Nein, die Zinsen auf japanische Staatsanleihen haben sich kaum bewegt. Denn es halten im Grunde keine ausländischen Gläubiger japanische Staatsanleihen. Dabei sehen die nackten Zahlen im Grunde noch beunruhigender aus. Das japanische Staatsdefizit beträgt nahe 200% des BIP und das staatliche Haushaltsdefizit liegt bei 8% des BIP.
Japan kann sich dank der sparsamen Bevölkerung solch einen hohen Schuldenstand leisten
Doch anders als Griechenland, Ungarn oder Spanien kann sich der japanische Premier noch solche Brandreden erlauben. Die Sparquote unter der japanischen Bevölkerung ist hoch und im Grunde ist der japanische Staat der einzige große Schuldner im Land. So kommt kaum ein Japaner herum sein Geld in japanische Staatsanleihen anzulegen, will er über Rentenpapiere für die eigene Rente vorsorgen. In Deutschland sieht es ein wenig anders aus, Es sind noch zu wenig Menschen die sich um ihre Altersvorsorgung Gedanken machen, obwohl große Versicherungen wie die ERGO Direkt Versicherungsmodelle anbieten, die eine schöne Rentenzeit ermöglichen können. Aber zurück zu den Japanern. Die Japaner sparen sogar so viel, dass obgleich der japanische Staat so hohe Schulden angehäuft hat, sie Netto Weltweit ein Kreditgeberland sind. 95% der japanischen Staatsschulden werden von einheimischen Investoren gehalten und selbst 30 jährige Anleihen werden mit lächerlichen 2% Zinsen abgenommen.
Aber es könnten dennoch auch bald hier Probleme auftreten, wenn in einer alternden Gesellschaft ähnlich der Deutschen immer mehr Menschen in ihren Ruhestand eintreten und dann dabei anfangen ihre Staatsanleihen wieder zu verkaufen. So fängt nun auch der japanische Staat an zumindest die Absicht zu erklären zu sparen. Aber das japanische Modell zeigt, dass ein Staat hohe Schulden tragen kann. Aber nur wenn die eigene Bevölkerung spart und die Schulden bereitwillig finanziert. Man kann aber nicht beides haben eine konsumfreudige Bevölkerung und einen verschwenderischen Staat. Deswegen werden die USA schon lange vorher kollabieren, bevor sie die Schuldenquote von Japan erreicht haben.
BBC: Japan PM Naoto Kan warns of ‘collapse’ under debt pile
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Kommentare
2 Comments on Nun also auch Japan mit Schuldenproblem?
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ketzerisch on
Fri, 11th Jun 2010 21:02
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Joerg on
Sat, 12th Jun 2010 11:41
Größter Besitzer japanischer Staatsanleihen ist afair die staatseigene japanische Postbank. Ich habt die genaue Zahl vergessen, aber es war sowas wie 1,4 Billionen Dollar oder 25% aller ausstehenden Anleihen.
@ketzerisch Das kommt einem ja schon irgendwoher bekannt vor. Man kann den Japanern nur wünschen, dass deren Postbank nicht so dämlich handelt wie die griechische und plötzlich anfängt riesige Mengen an CDS zu zeichen und damit auf die Pleite des eigenen Staates wettet.
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