Peer Steinbrück: Ohne haircut wird Griechenland nicht wieder auf die Beine kommen

September 14, 2010 by
Filed under: Finanzkrise 

Von Peer Steinbrück hatte ich bisher keine sehr hohe Meinung als Finanzminister. Oft wurde auf die Probleme mehr reagiert als agiert um sich dann selbst als großer Retter hinzustellen. Was bei solchen Rettungen bei raus kam, kann man immer noch an dem Garantiebedarf bei der Hypo Real Estate bewundern. Aber zur Griechenland Krise hat Peer Steinbrück nun in einem Spiegel Interview ein paar erstaunliche Sätze gesagt, zumindest für Politikerverhältnisse. Er sagt dabei ganz deutlich, dass Griechenland nicht ohne Umstrukturierung, sprich haircut, seiner Staatsschulden wieder auf die Beine kommen kann. Er hebt sich da deutlich von naiven Äußerungen Hans Eichels ab, der die Bürger noch dazu aufgerufen hatte Griechenland Anleihen zu kaufen.

So antwortete Peer Steinbrück im Spiegel Interview auf die Frage ob die bisherigen Hilfen für Griechenland ausreichen:

Steinbrück: Sehen Sie sich die Zahlen an. Trotz des Pakets wird Griechenlands Staatsschuld nächstes Jahr von derzeit 120 auf mindestens 140 oder sogar 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wachsen. Das bedeutet eine steigende Zinslast, die das Land früher oder später überfordern wird.

Und nun der besonders spanndende Teil, da er völlig im Gegensatz zu den Verlautbarungen der aktuellen europäischen Spitzenpolitikern steht. Steinbrück auf die Frage was er in der Griechenlandkrise empfehlen würde:

Steinbrück: Griechenland wird ohne eine Umstrukturierung seiner Kredite nicht wieder auf die Beine kommen. Es führt kein Weg daran vorbei, dass die Gläubiger dem Land einen Teil seiner Schulden durch Laufzeitverlängerungen, Zinserlass oder – wie das im Fachjargon heißt – einen “Haircut” abnehmen müssen. Es wird einige aufregen, dass ich das öffentlich sage: Aber das ist nun mal der Weg, wie man mit überschuldeten Staaten umgehen muss, wenn sie Mitglied des eigenen Clubs sind. Es gibt dafür erprobte Verfahren.

Damit vertritt Peer Steinbrück die Meinung, die auch ich hier im Blog schon mehrfach zur Griechenlandkrise vertreten habe. Griechenland wird durch die Rettung nicht wirklich gerettet. Die Schulden von Griechenland steigen weiter an und ohne Umstrukturierung der Schulden wird Griechenland nicht mehr aus eigener Kraft sich an den Kapitalmärkten finanzieren können. Insbesondere dann wenn die allgemeinen Zinsen für Staatsanleihen wieder ansteigen. Dann werden die Schulden für Griechenland nicht mehr tragbar sein. Man kann nicht davon ausgehen, dass die Zinsen immer auf so einem künstlich niedrigen Niveau bleiben können.

Das volle auch in anderen Passagen über die Finanzkrise sehr interessante Interview auf Spiegel-Online.

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