Robert Schiller – Wir brauchen ein demokratischeres Finanzsystem

September 30, 2009 by
Filed under: Finanzkrise 

Robert Schiller hat sich in einem äußerst interessanten Gastbeitrag im Handelsblatt zu der Finanzkrise, ihren Ursachen und ihre nötigen Verbesserungen geäußerst. Als notwendige Verbesserungen beschreibt er einen grundlegend anderen Ansatz als der vorherschende Meinungskonsens in den Medien und der Politik. Für ihn ist ganz klar, dass der Finanzmarkt demokratischer und transparanter gestaltet werden muss. Hier helfen jedoch keine harten Maßnahmen gegen Banken und Beschneidungen von Managerboni. Es gilt vielmehr ihnen dabei zu helfen das in der Krise sich als mangelhaft herausgestellte Risikomanagement zu verbessern. Hier beschreibt Robert Schiller eine sehr interessante und lohnenswerte Möglichkeit dazu.

Ihm geht es dabei vorallem um den Immobiliensektor, dem Auslöser der Finanzkrise. Der Yale Professor Robert Schiller ist dabei ein ausgewiesener Experte, so wurde nicht nur die S&P/Case-Shiller-Hauspreisindizes nach ihm benannt, auch hatte er durch seine Studien die Gefahren der Immobilienblase rechtzeitig erkannt und davor gewarnt. Ein grundlegender Mangel besteht seiner Meinung nach vor allem darin, dass niemand der die Blase rechtzeitig erkannt hat auf sinkende Kurse hätte spekulieren können. Es gibt schlicht keine Möglichkeit Einfamilienhäuser leerzuverkaufen bzw. zu shorten. Was hier in Deutschland meist in der Debatte verunglimpft wurde hätte hier in dem Fall die Blase abgemildert und verhindert dass es überhaupt so weit hätte kommen können. So schlägt Robert Schiller vorallem vor in Märkten wie dem Immobilienmarkt Futures einzuführen. Dies würde es eben nicht nur erlauben Immobilien zu shorten auch könnten sich hier grade große Bauunternehmen under Immobilienbesitzer gegen Wertverluste am Immobilienmarkt absichern. Es käme außerdem zu einer transparenten und demokratischen Preisentwicklung.

Bisher gab es da nur wenig Versuche so etwas ins Leben zu rufen, doch hat Robert Schiller zusammen mit der Chicago Mercantile Exchange 2006 Futures-Märkte für zehn US-Städte ins Leben gerufen. Diese Futures hatten allerdings nur einen bescheidenen Erfolg, doch haben sie von Anfang an den kommenden massiven Hauspreisverfall vorhergesehen. Dies hätte den Marktteilnehmern eine rechtzeitige Warnung sein können, ihr Engagement auf steigende Immobilienpreise einzustellen. In Europa gab es dazu nur einen Versuch 1991 von der Londoner Futures and Options Exchange, die aber kurze Zeit später aufgrund eines Skandals wieder eingestellt werden musste.

Ich persönlich halte den Vorschlag für sehr interessant und finde ihm sollte man nachgehen. Dies würde jedem erlauben, der sich eine Meinung zu den Immobilienpreisen gebildet hat, auf die eine oder andere Richtung zu handeln. So werden auch diejenigen Meinungen berücksichtigt von denjenigen, die sich gerade kein Haus kaufen wollen. Blasen können zwar auch hier nicht ganz ausgeschlossen werden, doch kann schneller auf eine reagiert werden und die Verkäufe würden zu einer Dämpfung der Preise führen.
Auch wenn Deutschland keine Blase auf dem Immobilienmarkt hatte, so sollte man hier mit vorran gehen um Futures auf Immobilienpreise einzurichten. Vielleicht könnte man sogar eine europaweite Futurbörse für Immobilienmärkte in Frankfurt etablieren, sofern man rechtzeitig Impulse dafür gibt. Aber darauf kann man wohl ewig warten.

Ausführlicher zu dieser Idee und weitere Ansichten : Robert Schiller’s Gastbeitrag im Handelsblatt

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