Selbst angefordertes Rettungspaket kann Fall Griechenlands nicht stoppen
Da hat nun Griechenland das Rettungspaket der EU und des IWF angefordert doch der Ausverkauf der griechischen Staatsanleihen kann auch das nicht stoppen. Im Gegenteil, die Anleiherenditen erreichen neue utopische Höhen und der CDS Spread explodiert. Ein Rettungspaket das nicht rettet kann man also getrost als gescheitert betrachten, noch bevor es überhaupt in Kraft getreten ist. Grund dafür ist vorallem das zögern Deutschlands. Unsere Politiker insbesondere Merkel und Schäuble scheinen wichtige Entscheidungen nicht an dem Notwendigen auszurichten, sondern dran festzumachen, dass am 9. Mai Wahlen in NRW sind. Vielleicht bleibt ja nach dem 9. Mai nur noch, die verkohlten Überreste auf dem Anleihemarkt des griechischen Feuers wegzukehren.
Renditen und CDS Preise explodieren
Auf die Renditen der griechischen Staatsanleihen wirkt das deutsche Zögern, wie Benzin das in die Flammen gegossen wird. Denn Unsicherheit ist das Letzte was Anleihemärkte schätzen. 10-jährige griechische Staatsanleihen liegen bei 9,5% und zwei jährige griechische Staatsanleihen sogar bei 13,6% 15%. Vor Anrufung des Rettungspaketes lagen die Renditen noch bei 8,8% respektive 10%. Die Anleihemärkte spekulieren damit immer mehr auf einen Hair-cut der Anleihen. Auch völlig verständlich vergleicht man die Höhe des Rettungspaketes mit dem Finanzbedarf Griechenlands in den kommenden Jahren. Dieses Jahr sind nur 18,1 Milliarden an fällig werdenden Anleihen und Zinsen an neuen Mitteln für Griechenland aufzubringen, aber allein im nächsten Jahr wird es 39,6 Milliarden sein, 2012 gar 41,4 Milliarden. Das Griechenland dazu noch seinen Haushalt sanieren kann wirkt angesichts der Demonstrationen, die schon bei den gringsten Sparanstrengungen ausbrechen utopisch, die Zahlen für den Finanzbedarf werden in Anbetracht der griechischen Bilanzhistorie und des riesigen Staatsdefizits wohl wesentlich höher ausfallen.
Auch die Kurse der CDS auf griechische Staatsanleihen explodieren munter weiter. Mitlerweile stehen die Preise für CDS auf 5-jährige Anleihen bei 762 Punkte, im Moment des Schreibens des Artikels wahrscheinlich schon wieder wesentlich höher. Ein Grund könnte hierbei auch das Rettungspaket spielen und eine weitere Episode in denen sich die Politiker selbst ins eigene Knie schiessen. So kann es das Deutschland seine Beteiligung am Rettungspaket über CDS absichert. Das macht auf den ersten Blick zwar Sinn um so die eingesetzen Steuergelder abzusichern, aber man treibt damit den Kurs nur noch weiter in die Höhe und kann sich dabei nichtmal sicher sein, dass die Versicherungsgeber bei einem Kollaps von Griechenland nicht selbst wieder in sich zusammenbrechen. Man erschwert es damit nur anderen Anleihegläubigern sich vor einer Pleite abzusichern und untergräbt damit die Wirkung des eigenen Rettungspaketes.
Rettungspaket für Griechenland nicht ausreichend
Doch an eine Finanzierung über den Kapitalmarkt ist derzeit und wohl auch in Zukunft nicht zu denken und die Politik hat es versäumt den Finanzmarkt mit einem Hilfspaket zu beruhigen, auch wenn es an sich selbst fragwürdig ist. Denn die 45 Milliarden werden nicht ausreichen um den griechischen Staatshaushalt zu sanieren. Es ist eher so als würde man einem Alkoholsüchtigen einfach noch eine Kiste Schnaps vor die Tür stellen. Der Hair-cut der zur Zeit an den Märkten gespielt wird ist die wesentlich sinnvollere Variante. Doch die Politik sträubt sich vor der harten Wahrheit, denn in erster Linie geht es nicht darum Griechenland zu retten, sondern die eigenen Banken. Griechenland schuldet deutschen Banken 43 Milliarden Euro, dies würde bei einem Hair-cut von 30% Abschreibungen in Höhe von 12,9 Milliarden Euro verursachen. Dabei sind es vorallem diejenigen Banken die Griechenlandanleihen halten, die sich in der Finanzkrise schon mit Ruhm bekleckert haben. 9 Milliarden der Verbindlichkeiten gehen auf die HRE, 3 Millarden liegen bei der Commerzbank und auch die Landesbanken dürfen in keiner Finanzkrise fehlen, lediglich die Deutsche Bank hat sich vornehm zurückgehalten. Die Deutsche Bank trat nur als Konsortialbank bei den Anleiheemissionen auf, hat es aber vermieden das Risiko selbst zu tragen. Allerdings liegen noch Banken anderer Länder drüber. Griechenland schuldet schweizer Banken 64 Milliarden und französischen Banken 75,7 Milliarden Euro. Vielleicht sollten dann Schweiz und Frankreich über eine höhere Beteiligung ihrer Länder an einem Rettungspaket nachdenken.
Fazit
Das Rettungspaket ist an sich zu klein und auch die falsche Lösung für ein Problem ausufernder Staatsschulden. Nur über einen schmerzhaften Hair-cut kann die Schuldenlast vielleicht so weit reduziert werden, dass Griechenland auch in Zukunft wieder solvent wird. Auch ist es wichtig die Banken an der Verantwortung der Krise zu beteiligen. Denn nicht nur der Schuldner hat eine Verantwortung für sein Handeln, sondern auch die Gläubiger die immer bereitwillig ihm Geld gegeben haben. Wird dagegen jedes Jahr ein neues Rettungspaket geschnürt wird der Schaden am Ende, wenn alles zusammenbricht nur noch größer. Heute Griechenland, morgen Portugal und am Ende sogar noch Italien. Schon jetzt hat Italien Probleme dabei sich günstig zu refinanzieren und muss schon mit steigenden Zinsen im kurzfristigen Bereich leben. Italien wird das um längen größere Problem für Europa werden, Griechenland ist dagegen noch unbedeutend klein. Für jedes Land Rettungspakete zu schnüren ist schlicht nicht möglich. Man kann für Italien nur hoffen das nicht in irgendeiner deutschen Provinz zu der Zeit Wahlen anstehen, wenn es soweit kommt.
Doch die Politik lässt sich von den Ereignissen treiben ohne einen eigenen strategischen Plan zu haben wie die Krisen auf Dauer und nicht nur bis zu den nächsten Wahlen zu beseitigen sind. Durch das Zögern hat sie dafür gesorgt das die Wirkung des Rettungspaketes völlig verpufft ist. Auch wenn es in sich falsch ist, hätte hier ein rasches Eingreifen zumindest die Märkte vorerst beruhigen können.
Update
Als i-Tüpfelchen dieser griechischen Tragödie hat heute auch noch Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit Griechenlands gleich um drei Stufen auf BB+/B mit negativen Ausblick heruntergestuft. Das ist Ramschstatus.
FTD: Pleite-Diskussion treibt Griechen Richtung Pleite
FTD: Das Hellas-Komplott
WSJ: Greek Central Banker Urges More Cuts
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2 Comments on Selbst angefordertes Rettungspaket kann Fall Griechenlands nicht stoppen
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Tue, 27th Apr 2010 20:11
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Thu, 29th Apr 2010 07:57
[...] harte Umfinanzierung der Staatsverschuldung mitsamt (teilweiser) Schuldenstreichung (Spekulantenblog, egghat). Egal welche Lösung am Ende kommen wird. Soll der Euro wirklich gerettet werden, sind [...]
[...] intensiv mit dem Fall Griechenland sowie mit den wohl notwendigen Rettungspaketen, die vermutlich nicht reichen und auch beständig an Volumen [...]
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