Sollte der Staat auch Unternehmern wie Schaeffler helfen?
Während der Staat den Banken, die diese Krise verursacht haben, mit Abermillarden aus der Patsche hilft und immer wieder neues Geld nachschiesst, stehen einzelne Unternehmer plötzlich am Rande des Ruins, doch der Staat schaut zu. Sie stehen hauptsächlich deshalb am Abgrund, weil sie noch am Anfang der Krise riskante Übernahmen gewagt hatten. Was in normalen Zeiten als erfolgreiches Unternehmertum gegolten hätte, wird nun mit Häme übergossen und wirkt wie eine Kamikazeaktion. So auch Maria-Elisabeth Schaeffler, die zu Beginn der Finanzkrise, den DAX Konzern Continental in einer waghalsigen Übernahme schluckte und nun daran zu ersticken droht.
Andrè Kostolany hatte die sogenannten 4 G’s vom preußischen Generalfeldmarschal von Moltke, als die wichtigsten Vorraussetzungen für erfolgreiche Investoren und Spekulanten betrachtet. Geld, Gedanken, Geduld und Glück. Die Unternehmerin Schaeffler hatte mit Sicherheit Geld und Gedanken. Geduld kann man schon in Zweifel ziehen, doch war von kaum jemandem vorrauszusehen wie lange die Krise noch anhält, noch wie tief der Einschnitt verläuft. Schaefller wurde vorallem das letzte G Glück zum Verhängnis. Während sie den Aktionären von Continental das Übernahmeangebot unterbreitete und eine Beteiligung von 49,9 Prozent anstrebte ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite und bescherte Schaeffler volle 90 % der Continentalanteile. Von denen muss sie nun 40% für teures Geld bei Banken parken lassen, zuzüglich zu den ungeplanten Mehrkosten für die Pakete. Dazu trifft die Krise in der Autobranche Schaeffler als auch Continental als Automobilzulieferer besonders hart. So musste Schaeffler nun für die meisten seiner 25 Standorte Kurarbeit ankündigen, die in der Regel 6 Monate dauern soll.
Es muss sich aber auch die Royal Bank of Scottland, als Konsortialfüherin der Übernahme, kritischen Fragen stellen. Auffallend ist, dass die RBS nicht nur die kriselnde Conti Übernahme anführt, sondern sie war auch maßgeblich an der Übernahme von Hanson von Heidelberg Cement des tragisch gescheiterten Unternehmers Adolf Merckle, aber auch an der Übernahme der Reederei Hapag-Lloyd durch ein Konsortium um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, beteiligt. Die Royal Bank of Scotland hat durch eine viel zu mangelhafte Risikobewertung diese Übernahmen durch Kredite erst ermöglicht. Dabei läge es an ihr die Risiken, gerade auch in Bezug auf die Finanzmärkte vor Kreditvergabe einzuschätzen. Aber sie hat mit einem leichtfertigen Umgang mit Risiken ja nicht nur andere Unternehmer in Existenznot gebracht, sondern hat selbst mit am meisten unter den europäischen Großbanken verloren und musste nun zu 70% von der britischen Regierung verstaatlicht werden.
Für Schaeffler hingegen wird es eng. Ihr Ansinnen nach Hilfe von der Bundesregierung stösst auf Zürckhaltung. Während Wirtschaftminister Glos, der aus der Nähe von Herzogenaurach dem Stammsitz der Schaefflers kommt, sich aufgeschlossen zeigt, lehnt die SPD unter Finanzminister Steinbrück und Peter Struck jede Hilfe kategorisch ab. Schaeffler würde eine Bürgschaft in Höhe von 4 Millarden Euro benötigen. Nun liegt es an Schaeffler in den nächsten Tagen ein tragfägies Konzept zu erarbeiten. Es wird auch eine Zerschlagung des Konzerns zum Schuldenabbau diskutiert. Doch bald werden die Banken unruhig, noch im Herbst steht die Refinanzierung für einen großen Teil der Schulden an.
Nach strengen ökonomischen Regeln dürfte der Staat hier nicht eingreifen und helfen. Doch wenn man sich anschaut, wem alles der Staat unter die Arme greift und subventioniert, ist es nur schwer zu vermitteln, dass hier einer unternehmerischen Katastophe, die durch Entscheidungen zur falschen Zeit und all zu willfähigen Banken entstanden ist, tatenlos zugesehen wird. Die Zulieferbranche in Deutschland ist eine der wesentlichen Standortvorteile, die die Automobilkonzerne hier in Deutschland besitzen. Es handelt sich bei beiden Firmen um tragfähige Geschäftsmodelle und technologisch führende Unternehmen. Den Banken jedoch, die teilweise systematisch diese Krise hervorgebracht haben, wird jeder Euro hinterhergeworfen.
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Kommentare
4 Comments on Sollte der Staat auch Unternehmern wie Schaeffler helfen?
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Peter on
Tue, 3rd Feb 2009 14:22
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Joerg on
Tue, 3rd Feb 2009 17:36
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Peter on
Wed, 4th Feb 2009 09:40
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Joerg on
Wed, 4th Feb 2009 12:10
Ich bin gegen ein Eingreifen des Staates bei Schäffler, zumindest als erste Schritt.
Warum?
Wenn eine “kleine Firma” wie Schäffler im Vergleich zu Conti sich bei eine Übernahme verkalkuliert ist es erstmals deren Problem. Schon im Vorfeld der Übernahme sagten viele das dies eine Kamekaze unterfangen wäre auch ohne die Krise. Daher ist Schäffler und vor allen deren Chefin an die Reihe. Soll sie doch zuerst ein paar Milliarden von ihr Vermögen locke machen.
Dann sollte Schäffler ein tragfähiges Konzept vorlegen und mit die Banken klar kommen. Erst wenn dies alles erfüllt ist könnte der Staat evtl. durch Bürgschaften oder rückzahlbare Darlehen Schäffler helfen.
So wäre es richtig. Schäffler hat die Krise zu über 80% selbst verursacht und sollte auch dafür gerade stehen und nicht der Staat.
Natürlich als erster Schrit ist sowas generell immer unangebracht.
Allerdings steckt schon ein Großteil des Privatvermögens in Schaeffler, da hier bisher Gewinne immer reinvestiert wurden und nicht verprasst. Somit besteht keine Möglichkeiten aus eigener Kraft hier noch etwas zu retten.
Es ist halt die Frage ob der Staat lieber 92 Millarden in ein Unternehmen steckt, dessen hauptsächlicher Geschäftszweck darin besteht langfristige Schulden zu kaufen und sich kurzfristig zu refinanzieren. Oder aber 4 Millarden in eine Firma die zum Rückgrat der Automobilfirmen gehört.
Klar es war ein hochriskantes Unterfangen und hätte sie noch paar Monate gewartet, hätte sie Continental wesentlich günstiger einsammeln könne.
Privat Vermögen von Frau Schäffler wird mit rund 8 Milliarden Euro geschätzt. Da sollte diese Frau zuerst mal ein teil sagen wir 4 Milliarden als Sicherheit selber tragen. Erst wenn sie dies gemacht hat, könnte über evtl. Staatshilfen gesprochen werden.
Frau Schäffler treibt jetzt nur die Angst rum das wenn dies alles schief geht, ihr privat Vermögen fort wäre. Deshalb will sie den Staat. Ihr ruf wegen 200 000 Arbeitsplätze ist Bulls… da die Großteil von diese Arbeitsplätze nicht auf den Spiel steht.
Sie trägt schon deutlich mehr als 4 Millarden da ihr Privatvermögen nunmal die Firma Schaeffler ist. Ist die Firma am Ende ist auch ihr Privatvermögen versenkt. Somit kann sie auch keine 4 Millarden von sich aus als Bürgschaft für die Bank aufbringen, darin liegt das Problem.
Und es geht dabei auch garnicht so sehr um die Arbeitsplätze, sondern vielmehr dass durch eine Aufspaltung grade zum jetzigen Zeitpunkt wieder einmal gute deutsche Firmen und Technologie für einen Apfel und nen Ei verscherbelt werden könnten.
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