Archiv Tag Finanzkrise
Mögliche Lösung des Zwangsvollstreckungsskandals in den USA
Nachdem im letzten Oktober der Skandal um die unrechtmäßigen Zwangsversteigerungen in den USA das beherrschende Wirtschaftsthema war, ist es in den letzten Monaten recht ruhig gewesen. Durch die hastige Strukturierung der damals so sehr beliebten mortgage backed securities kurz MBS sind einige, für eine Zwangsversteigerung rechtlich notwendige, Dokumente nur unvollständig, oder erst hinterher nachträglich ausgefüllt worden. Doch im Zuge der Finanzkrise mussten Zwangsversteigerungen wie am Fließband ausgestellt werden und viele davon waren rechtlich nicht gültig. Als der Zwangsversteigerungsskandal (foreclosure gate) aufkochte, mussten viele Großbanken ihre Zwangsversteigerungen zeitweise aussetzen. Nun schlägt die Obama Administration einen Plan vor um dieses rechtliche Chaos zu beheben. Es soll eine landesweite Einigung angestrebt werden, bei der die Banken über 20 Milliarden Dollar als Strafe, oder als Beihilfe zur Schuldenreduzierung notleidender Hausbesitzer bezahlen sollen.
Rettung der Hypo Real Estate – Expertenkommision stellt vernichtendes Urteil aus
Zig Milliarden hat der deutsche Staat und damit der Steuerzahler in die Pleitebank Hypo Real Estate seit 2008 um dieses Institut am Leben zu erhalten. Doch was ist dabei raus gekommen? Laut einer Expertenkommission die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde ist das einzige was der Staat mit der Hypo Real Estate, kurz HRE, anfangen kann eine Abwicklung. Eine Privatisierung also ein Verkauf der Bank würde keine höheren Erlöse einbringen, als würde der Staat die HRE einfach kurz und schmerzlos abwickeln. Die Märkte auf denen die HRE aktiv seih, sind durch Überkapazitäten und hohen Wettbewerbsdruck geprägt. Was für eine grandios erfolgreiche Sanierung! Ähnlich niederschmetternd fällt das Urteil für die kriselnde WestLB aus. Bei der WestLB kann die Kommision keine unentbehrlichen Volkswirtschaftlichen Leistungen erkennen und empfiehlt auch hier die Abwicklung. Ein Verkauf des Gesamtpaketes wäre wenig aussichtsreich.
Veröffentlichung des kompletten FCIC Reports
Am 13. Januar 2010 hat die FCIC, die Financial Crisis Inquiry Commission in den USA, die erste Anhörung veranstaltet. Ziel dieser zehnköpfigen Kommission unter dem Vorsitzenden Phil Angelides war es das Desaster der Finanzkrise von 2007-2010 aufzuklären. Nun hat die FCIC ihren 500-seitigen Abschlussbericht veröffentlicht. Man kann die Kommission mit der sogenannten Pecora Commission vergleichen, die in den 30iger Jahren die den so berühmten Wallstreet Crash 1929 und die Große Depression aufklären sollte. Noch ist es für mich zu früh einen intensiven Bericht über den ICIC Report zu schreiben, die 500 Seiten müssen erst mal gelesen werden um zu einer tieferen Schlussfolgerung zu kommen, aber jeder kann sich hier schon mal den kompletten FCIC Bericht ansehen. Die FCIC wirft darin nahezu allen in der Finanzwirtschaft involvierten Institutionen ein massives Versagen vor und einen systemisches Versagen der Finanzwirtschaft an Zuverlässigkeit und Ethik.
The Daily Show – Interview mit Bethany McLean und Joe Nocera
In der Daily Show hatte Jon Stewart als Gäste Bethany McLean und Joe Nocera, die zu den gefeiertsten Wirtschaftsjournalisten Amerikas gehören. Sie schreiben für die Vanity Fair und die New York Times und haben gemeinsam ein Buch über die Finanzkrise geschrieben, All the Devils are Here: The Hidden History of the Financial Crisis. Dabei haben Sie nach den Hintergründen der Finanzkrise geforscht, war alles nur ein großer Unfall, oder wer war dafür verantwortlich. Dabei haben sie alle “Teufel” aufgedeckt die an der Finanzkrise ihren Anteil hatten. In diesem Interview mit Jon Stewart erklären sie nicht nur die allseits bekannte Rolle der credit default swaps kurz CDS sondern auch die Einstellung der Banken zu der Krise. Dabei scheinen gerade die Banker immer mehr zu der Einstellung gelangt zu sein, dass nicht sie es waren die die Krise auslöst haben sondern die vielen kleinen Leute, die die Kredite nicht bedienen konnten, aber vorher von den Banken großzügig diese erst aufgeschwatzt bekommen haben.
Wall Street 2 Geld schläft nicht – Eine Filmkritik
Mit Spannung habe ich diesen Film Wall Street Geld schläft nicht von Oliver Stone erwartet. Der erste Teil ist zu einem Klassiker der Filmgeschichte geworden und die Figur Gordon Gecko hat vielen Investmentbankern unfreiwillig als Vorbild gedient. Gestern nun war es so weit und ich habe ihn mir “Geld schläft nicht” im Kino angeschaut. Das Kino war so gut wie leer, gerade mal 8 Leute bei 500 Plätzen, da bekommt das Wort Heimkino eine völlig neue Bedeutung. Kann aber auch an der frühabendlichen Vorstellung gelegen haben. Dabei fand ich das Thema der Finanzkrise in Verbindung mit einem völlig amoralischen und egoistischen Charakter wie Gordon Gecko (Michael Douglas) äußerst reizvoll. Leider hat der Film meine hohen Erwartungen in diesen Stoff nicht gehalten. Zu sehr wurde auf der Beziehung des jungen Investmentbankers Jake (Shia LaBeouf) mit der Tochter Geckos, Winnie Gekko(Carey Mulligan) eingegangen, während die Wirren der Finanzkrise fast wie Hintergrundmusik wirkten.
Der große Hypothekenskandal der Wall Street
Auf die Investmentbanken könnten nun ungemütliche Zeiten zukommen. Nicht nur das nun 50 Bundesstaaten in den USA eine Untersuchung des Zwangsversteigerungsskandals eingeleitet haben, in dem es darum geht ob die Banken rechtmäßig die Häuser zwangsversteigert haben. Nun scheint es sogar noch einen weiteren weitaus größeren Skandal mit Hypotheken aus der Zeit der Immobilienblase zu geben, der sogar den Abacus Vorfall von Goldman Sachs wie ein Kindergeburtstag erscheinen lässt. Hier musste Goldman Sachs eine Strafe von 550 Millionen Dollar zahlen für einen Fall in dem die Investoren belogen wurden. Nun scheint es die gesamte Industrie die Investoren über die wahre Qualität der Hypothekenpools im dunklen gelassen hat und für schlechte Anteile sich selbst Rabatte ausgehandelt hat. So konnten die Investmentbanken mit Müll noch ihre Gewinnmargen erhöhen.
Gespräch mit Nassim Taleb dem Autor des Black Schwan
Das US Magazin Atlantic hat ein interessantes Interview mit dem Autor des Schwarzen Schwanes “Black Schwan” Nassim Taleb geführt. Gefunden habe ich es im Blicklog. Darin spricht er wieder einmal seine Kernaussage des Buches an, die gerne missverstanden wird. Ihm geht es nicht so sehr darum Schwarze Schwäne, also äußerst seltene Ereignisse, zu erkennen oder vorherzusagen, sondern das die Systeme so robust werden, dass sie das Auftreten so eines Schwarzen Schwanes überstehen können. Doch das moderne Finanzsystem sieht Nassim Talib alles andere als stabil an. Es war es nicht vor der Finanzkrise und hat sich seitdem nicht gebessert. Denn es strebt zu mehr Komplexität durch die Globalisierung und zu immer mehr Schulden, zwei Eigenschaften die sich nicht miteinander vertragen.
Toxie ist gestorben
Toxie ist von uns gegangen. Damit mein ich nicht das Maskotchen der HRE, nein es handelt sich quasi um das “Haustier” der Sendung “Money Planet” des amerikanischen Radiosenders NRP National Public Radio. Und Toxie war nicht wirklich ein Tier sondern eines jener Giftmüllpapiere auch toxic assets genannt, die die ganze Finanzkrise ausgelöst hatten. Um im Eigenversuch herauszufinden was eigentlich hinter einem toxic asset steht und wie es sich entwickelt, haben die Macher der Sendung in Januar 2010 für 1.000 Dollar einen Anteil eines toxic asset gekauft. Dabei handelte es ich um einen MBS Mortgage Backed Securities. Also einem Pool unterschiedlichster Hypothekenkredite. Früher einmal vor der Finanzkrise war dieser Anteil einmal 75.000 Dollar wert. Doch selbst nach diesem dramatischen Wertverlust haben die erhaltenen Zahlungen nicht ausgereicht um den Kaufpreis von 1000 Dollar wieder hereinzubringen. Toxie hat seinen Besitzern bis zu seinem Tot gerade einmal 449 Dollar eingebracht.
Zwei Jahre nach der Pleite von Lehman Brothers
Bevor 15. September 2008 die einst so stolze Investmentbank Lehman Brothers pleite ging, stand der DAX noch bei 6234 Punkten. Heute zwei Jahre nach dem Desaster, dass auch als Schmelzpunkt der Finanzindustrie bezeichnet werden kann, steht der DAX am Ende des Handelstages des 15. September 2010 bei 6261 Punkten. Jemand der den Rat des verstorbenen Börsenaltmeisters André Kostolany befolgt hätte und sich am Freitag den 12. September 2008 mit seinem Dax Investment für zwei Jahre schlafen gelegt hätte, würde mit Blick auf den DAX Stand meinen es wäre nichts passiert. Dabei stand zwischenzeitlich, die gesamte Bankenwelt, wenn nicht das ganze Finanzsystem kurz vor dem Zusammenbruch. Unsummen mussten von den Staaten an Garantien und Kapitalhilfen bereitgestellt werden, damit nicht auch noch an deren Banken wie Kartenhäuser in sich zusammenfallen.
Die Derivate Bücher von Lehman Brothers waren wohl ein einziges Chaos
Kurz bevor sich die Pleite von Lehman Brothers zum zweiten Mal jährt, wirft eine Aussage ein ziemlich erschreckendes Bild auf die Buchführung bei den Derivaten mit denen Lehman Brothers handelte. So sagte Elizabeth James, eine Direktorin von Barclays die einen Blick in die Bücher geworfen hatte, vor dem U.S. Bankruptcy Court in Manhattan aus, dass die Bücher von Lehman Brothers in solch einer Unordnung waren, dass niemand genau wusste was alles drin stand. Sie hatten angeblich keinerlei Ahnung ob sie mal eben 2 Milliarden Optionen mehr verkauft hatten, als gekauft, oder aber 4 Milliarden mehr hielten als sie verkauft hatten.



