Archiv Tag Finanzkrise
Quants: The Alchemists of Wall Street
Quants: The Alchemist of Wall Street ist ein sehr interessante und nachdenkliche Dokumentation, die die Finanzbrache aus Sicht der Mathematiker und Programmierer beschreibt. Also denjenigen die sich mit den ganzen mathemathischen Modellen beschäftigt haben, die heute so sehr die Finanzwelt bestimmen und zu der Finanzkrise geführt haben. Dabei geht es vorallem um die Illusion die diese mathematischen Modelle erzeugen, nämlich sicher vorherbestimmen zu können wie sich eine Hypothek zum Beispiel in der Zukunft verhält und welcher Einfluss untereinander zwischen ganzen Paketen an Hypotheken in CDOs bestehen. Doch diese Illusion war trügerisch, so waren die Modelle meist nur linear aufgebaut, basierten auf sträflich einfachen Annahmen und formten sich aus völlig ungenügenden Statistikhistorien.
Blogschau – KW 30/10
In der verganen Woche war mal wieder verstärkt das Thema Konjunktur im Mittelpunkt. Hier in Deutschland bereitet sich eher eine leichte Euphorie aus, während sich in den USA die Sorgen immer deutlicher mehren. Aber auch Staatsschulden sind als Thema unerschöpflich und es gibt noch jede Menge Länder wie zum Beispiel Japan, die noch gut für eine Schuldenkrise sind. Das führt natürlich auch zur nächsten andauernden Debatte um Sparen oder Ausgeben, wobei die USA auch nicht immer das tun können, was sie anderen Ländern predigen.
Interview mit Nassim Taleb über die Finanzkrise und Schulden
Ein sehr interessantes Interview mit dem Autor des Buches Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse Nassim Taleb, habe ich im Blicklog gefunden. Darin hebt sich Taleb in seinen Ansichten fundamental von dem Ökonomen Paul Krugman ab, dem hier in letzter Zeit die Medien hinterhergelaufen sind. Nach Taleb ist es eminent wichtig, dass die Gesellschaft aufhört Schulden zu machen und die bisherigen abbaut, denn gerade durch die hohen Schuldenberge wird bei jedem Schockereigniss, einem schwarzen Schwan, die Finanzwirtschaft nahe an den Zusammenbruch gebracht. Taleb hört sich dabei weniger wie ein Ökonom an, der Kosten drücken will und unter hohem Hebel möglichst viel Gewinn erzielen will, sondern vielmehr wie ein Ingenieur der redundante Systeme, sprich Geldreserven vorrätig hält um auf finanzielle Schocks in Unternehmen, Banken reagieren zu können.
Bilanztricks sollen US Banken sanieren
Während die amerikanischen Großbanken dank den niedrigen Leitzinsen wieder in Geld schwimmen leiden viele Kleinbanken in den USA immer noch unter der Krise. An die 1000 hautpsächlich kleine Banken werden als Problembanken von der FDIC eingestuft. Sie haben nicht den Vorteil sich nahezu risikolose Renditen über HFT oder Staatsanleihen einzufahren, viele hatten die Häuser in ihrer Nachbarschaft finanziert. Doch deren Hypotheken sind häufig immer noch notleidend. Die Aussichten am Immobilienmarkt haben sich nicht gebessert, im Gegenteil, der amerikanische Immobilienmarkt legt einen Double Dip hin. Doch nun sollen vorallem diesen Banken durch ein Bilanztrick geholfen werden. Doch Vertrauen wird durch diese Maßnahme gewiss nicht aufgebaut.
Blogschau – KW 22/10
Diese Woche wurde in den Wirtschaftsblogs mal wieder vorallem über die Zukunft des Euros und die ausufernden Staatsdefizite in den Euroländern diskutiert. Soll man nun sparen und dabei den Aufschwung wieder abwürgen. Sollen nur die Länder mit Leistungsbilanzdefizit sparen, oder auch die mit den großen Überschüssen wie Deutschland. Auch bleibt es ein heißes Thema, wann denn der Verfall des Euros nun entgültig gestoppt ist, oder ob der Euro gegenüber dem Dollar noch weiter einbricht.
775 Problembanken in den USA
Während sich die amerikanischen Großbanken dank der biligen Liquidität und HFT Trading im Investmentbanking dumm und dämlich verdienen, stecken weiter immer mehr Banken in den USA in Problemen. Die Federal Deposit Insurance Corporation kurz FDIC, der Einlagensicherungsfonds der USA, hat in seinem Quartalsbericht nun mitlerweile 775 Banken auf seiner Problemliste stehen, mit einer Bilanzsumme von zusammen 431 Milliarden Dollar. Vergangenes Quartal waren es noch 702 und im ersten Quartal 2009 waren es nur 305 Banken. Auch wenn man kaum noch etwas von pleite gegangenen Banken hört, so sind in den USA laut der FDIC im ersten Quartal insgesamt 41 Banken pleite gegangen, die zusammen eine Bilanzsumme von 22 Milliarden Dollar aufwiesen.
200 Billionen Dollar
200 Billionen Dollar, oder auch 148 Billionen Euro. Bis zu dieser Summe belaufen sich nach einer Untersuchung der Bank of England der weltweite Rückgang der Produktion, ausgelöst durch die Finanzkrise. Laut der Bank of England liegt der Wert der Produktionsverrlust durch die Finanzkrise zwischen 60 und 200 Billionen Dollar. Die weltweite Produktion lag 2009 um etwa 6,5 Prozent niedriger, als sie ohne die Finanzkrise hätte sein können. Ausgeschrieben ist das eine Zahl mit 15 Stellen: 200.000.000.000.000. Dies ist also der Schaden der durch das Platzen der Immobilienblase und den darauffolgenden Crash an den Kapitalmärkten ausgelöst wurde. Zum Vergleich die komplette Martkapitalisierung der weltweit größten Banken, die maßgeblich die Krise verursacht haben, liegt gerade einmal bei 1,2 Billionen Dollar.
Lehman Brothers und Repo 105
Nun ist am vergangenen Wochende der Untersuchungsbericht zu der Pleite der ehemaligen Investmentbank Lehman Brothers veröffentlicht worden. Die Pleite dieser Bank stellt einen der Höhepunkte der Finanzkrise im Jahr 2008 dar. Durch die Pleite von Lehman Brothers musste der Versicherungsriese AIG quasi über Nacht gerettet und verstaatlicht werden und der Interbankenmarkt zur Refinanzierung von Finanzinstituten ist quasi zusammengebrochen. Durch den Bericht, den man hier nachlesen kann, wird klar, dass die Pleite von Lehman Brothers nicht auf wilde Spekulanten oder Gerüchte zurückzuführen ist. Denn schon im Jahr 2007 hat die Bank Lehman Brothers angefangen über Repo 105 und Repo 108 Geschäfte ihre Bilanzen zu den Quartalsstichtagen aufzuhübschen und für die Ratingagenturen und Analysten risikoärmer zu erscheinen als sie tatsächlich war.
Kann die FED pleite gehen?
Vor zwei Jahren, kurz nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Bear Stears, war ich in einer Vortragsreihe mit ein paar anderen börsenbegeisterten Studenten aus ganz Deutschland. Der Vortragende war ein sehr eloquenter Herr der Investmentbank JP Morgan, der durch Verzicht auf langweilige Folien und sehr guter Erzählerqualitäten in positiver Erinnerung geblieben ist und ein gutes Licht auf die Bank JP Morgan insgesamt geworfen hat. Entsprechend konnte er seine stille Freude an dem Aufkauf des einstigen scharfen Konkurenten nicht ganz verhehlen. Er hat aber auch als einer der wenigen damals schon verstanden, das ganze Ausmaß der Probleme auf dem amerikanischen Häusermarkt bildlich zu verdeutlichen und genau die Vorgehensweise beim strukturieren von Krediten zu erklären. Doch schon damals hatte die FED für die Übernahme von Bear Stearns erhebliche Risiken übernommen und es war schon abzusehen das noch weitere folgen sollten. Ich stellte ihm damals die Frage ob die FED nicht auch pleite gehen könnte. Die versammelten BWL Studenten schauten mich damals noch sehr verdutzt an, während der Vertreter von JP Morgan den Einwand wegwischte, die FED könnte einfach immer mehr Geld drucken und dadurch nie pleite gehen. Aber ist das so einfach?
The Daily Show – The Financial Crisis Inquiry Commission-Team
Wie Freitags üblich hier im Blog wieder ein neues Video von Jon Stewart aus der The Daily Show. Diesmal stellt Jon Stewart das sogenante Financial Crisis Inquiry Commission Team vor. Diejenige amerikanische Kommision, die die Ursachen der Finanzkrise ergründen soll und entsprechende Regulierungsvorschläge erarbeiten soll. Sicher werden sie diesmal die amerikanischen Großbanken, wie JP Morgan oder Goldman Sachs, genau unter die Lupe nehmen und sie dazu zwingen ihre Schuld an der Finanzkrise anzuerkennen und sie dazu bringen wird Konsequenzen für ihr Geschäft zu ziehen. Wers glaubt. Dennoch viel Spaß dabei.
