Was für ein Theater um den Bankenstresstest

July 23, 2010 by
Filed under: Branche 

Das tagelage Chaos um den eropäischen Bankenstresstest hat heute mit der Verkündung der Ergebnisse sein Ende gefunden. Es lieferte perfekten Stoff um das Sommerloch zu füllen aber mehr auch nicht, die Ergebnisse waren nicht sehr überraschend und manche Tests fragwürdig. Dennoch scheint es an den Märkten eine gewisse Erleichterung gegeben zu haben. Weniger wenn man sich die Börsenindizes anschaut, als vielmehr die CDS Preise der einzelnen Banken. Am Ende waren es 7 Banken die den Stresstest nicht bestanden haben. Hauptsächlich Spanische Sparkassen und die mitlerweile verstaatlichte Problembank Hypo Real Estate. Wenn der Stresstest tatsächlich dabei hilft wieder mehr Vertrauen unter den Banken herzustellen geschenkt. Denn dieses Vertrauen wieder herzustellen ist mehr als nötig.

Schon der amerikanische Stresstest der FED war mehr eine Showveranstaltung um den Märkten zu signaliesieren das schon alles gut gehen wird. Denn wie sonst nirgends wird der Kapitalmarkt von selbsterfüllenden Prophezeiungen beeinflusst. Glauben also genügend Marktteilnehmer das die Banken ausreichend finanziert sind, so leihen sie wieder häufiger und zu günstigeren Zinssätzen, so dass die Banken allein dadurch es leichter haben und die Krise besser überstehen können. Das Vertrauensbildende Maßnahmen dringend nötig sind, zeigt der EUR Libor, der auf dem höchsten Stand seit 23. August 2009 steht.
Der EU Stresstest hat dabei drei Szenarien untersucht. Einmal das Basisszenario aus den Frühjarhsprognosen der EU Komission. Dabei wird für die EU ein Wirtschaftswachstum in 2010 von 1 Prozent und in 2011 von 1,75 Prozent angenommen. Dann ein Krisenszenario indem die Konjunktur wieder einbricht, die sogenannte Double Dip Rezession. Dabei solle die Wirtschaft in der EU 2010 stagnieren und 2011 um 0,4% schrumpft. Dann im dritten Szenario treten wieder Probleme der Staatschulden auf und es wird untersucht wie die Banken auf Abschläge auf Staatsanleihen reagieren werden. Für Griechenland, Portugal und Spanien werden Abschläge von 23,1, 14,1 und 12 Prozent angenommen aber auch die Staatsschulden anderen Euro Länder würden Abschläge zu verkraften haben.

Stresstest untersucht keine außergewöhnlichen Ereignisse

Was allerdings im EU Stresstest leider nicht untersucht wurde sind die Auswirkungen auf die europäischen Banken bei einem schwarzen Schwan Ereignis. Zwar könnte man einen Double Dip zum Vergleich mit den Prognosen der Eu Wirtschaft als einen schwarzen Schwan bezeichnen, doch ist eine Rezession, in der die Wirtschaft um 0,4% schrumpft nicht sonderlich viel, vergleichen mit dem gerade erlebten rasanten Absturz. So wird auch kein Szenario durchgespielt, bei dem wieder eine große Bank, wie Leahman Brothers, pleite gehen würde, oder aber ein Land wie Griechenland bankrott anmeldet. Er hilft also kaum um bei einer neuerlichen Griechenlandkirse zu entscheiden, ob eine Pleite verkraftbar ist, oder ob man wieder Abermilliarden in einen Rettungsschirm pumpen muss. Auch ist es sehr zweifelhaft, dass in dem erweiterten Stressszenario nur Staatsanleihen berücksichtig wurden, die die Banken in ihrern Handelsbilanzen halten. Es haben jedoch viele Banken erst vor kurzem ihre Bestände an Staatsanleihen umdeklariert als solche, die sie bis Fälligkeit halten. Gerade noch rechtzeitig um in dem erweiterten Szenario nicht zu schlecht auszusehen. Diese Verluste würden dann also erst dann auftauchen, wenn es zu spät ist. Damit ist die Aussage des erweiterten Stressszenario nahezu wertlos.

Obwohl also kein richtiges Stressereignis untersucht wurde, so hat der Markt ein wenig mehr Vertrauen gefasst. Zumindest deuten die Verbilligung der Preise der CDS für die meisten deutschen Banken darauf hin. So hat sich zum Beispiel die Deutsche Bank um 5 Basispunkte auf 111 verbilligt. Größter Gewinner auf dem CDS Markt war die Landesbank Baden-Würthemberg bei der die CDS um 19 Punkte billiger wurden. Einzig die Helaba die mit ihrem schlechten Abschneiden überraschte hat nun einen um 4 Punkte höheren CDS Preis der nun bei 148 liegt. Aber angesichts des ganzen Rummels um den Stresstest sind die Reaktionen mager und werden auch nicht lange anhalten. Richtiges Vertrauen baut man nicht mit intransparenten und konstruierten Tests auf.
Bei der Hypo Real Estate hat das Durchfallen aber wohl kaum Auswirkungen, da die Bank eh schon dem Staat gehört und im Grunde es eher eine große Überraschung gewehsen wäre wenn sie nicht durchgefallen wäre.

Ähnliche Artikel auf Spekulantenblog.de:

  1. Bankenstresstest auch bald in der EU Nachdem die Amerikaner ihre Ergebnisse des Stresstests veröffentlicht haben, will nun auch die EU nachziehen. Die Europäische Union will die europäische Bankenbranche auch einem Stresstest unterziehen. Dabei will die EU...
  2. Stresstest wohl völlig wirkungslos Bald ist eine Woche rum nachdem mit Großem Tamtam über den europäischen Bankenstresstest berichetet wurde. Ziel des Stresstestes war es mehr Vertrauen an den Märkten herzustellen und vorallem unter den...

Trackback URL für diesen Artikel: trackback

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann abonnieren Sie doch den RSS Feed und bleiben Sie so auf dem Laufenden, Sie können aber auch die Kommentare verfolgen RSS Comment Feed.

Sie können dem Autor nun auch über Twitter folgen

Kommentare

5 Comments on Was für ein Theater um den Bankenstresstest

  1. ulfh on Mon, 26th Jul 2010 00:07
  2. Eigentlich hat die CEBS nur solche Szenarien aufgestellt die wahrscheinlich eh auftreten werden. So richtig “Stress” ist da wohl eher nicht drin. Ich habe mich etwas gewundert, dass über die Methodik des Stresstests nur oberflächige Informationen von der CEBS zur Verfügung gestellt wurden. Bisher habe ich nur viel Prosa über die drei Szenarien gesehen, aber nicht in was für ein Modell das reingefüttert wurde.

    Ich versuche mal zu raten. Die CEBS hat wohl viel Augenmerk auf die Bilanzen der Banken gelegt. Mit eine bisschen Vertriefungsdenke kann man dann Assets und Liabilities verknüpfen. Und Liabilities sind ja dann auch wieder Assets irgendwo anders. Dann wurde der Wert der Aktivapositionen auf wenige makroökonomische Einflussfaktoren reduziert. Da nur 2 oder 3 Zeitschritte in den Szenarien “prognostiziert” (festgelegt) wurden, wird es statisches lineares Modell gewesen sein (Einflussfaktoren->Aktiva). Denn nur bei einem linearen Modell kommt man in die Verlegenheit, dass die ganze Simulation nach 4,5,6,…10,..20,… Zeitschritten in die Luft geht. Entweder knallt irgendeine Variable gegen Unendlich oder auf einen Fixpunkt. Darum nur so ein paar Zeitschritte.

    Hätte man einen “grauen Schwan”, die Mandelbrot-Verteilung anstatt der Szenarien durch das Modell gehauen wären auch keine schlaueren Ergebnisse herausgekommen. Das Bilanzenmodell wäre ebenfalls in die Luft gegangen. Das Bilanzenmodell hat einfach zu viele Zustandsgleichungen. Das Problem ist, dass es bei Verknüpfung von Einflussfaktoren und Bilanzenmodell wahrscheinlich keine geeigneten Rückkopplungen, Sättigungsprozesse, usw. reingebaut sind. Das Folgeproblem ist, dass man zwar nichtlineare mikroskopische Modelle für Subprozesse kennen mag, aber die nicht ohne Weiteres zu einem größen Modell verbinden kann.

    Das wichtigste ist die Interpretierbarkeit. Die Ergebnisse vom Stresstest können die Leute in den Banken interpretieren, z.B. “wenn das passiert, wird es hier eng…” Von daher ist doch OK was die CEBS gemacht hat. Höchstwahrscheinlich basteln die Leute von der CEBS sich auch ein paar Horrorszenarien zusammen für den Fall der Fälle. Das ist dann alles von der Kategorie Glaskugel. In 1,2 Jahren könnte uns auch der Mond auf den Kopf fallen. Wer weiß das schon.

    [...] Spekulantenblog: Was für ein Theater um den Bankenstresstest [...]

  3. Joerg on Mon, 26th Jul 2010 18:51
  4. @ulfh Würden sie alle Daten und Methodiken die dahinterstecken veröffentlichen, könnte eigentlich jeder sehen, dass da nicht sehr viel von Stress bei diesen Szenarien übrig bleibt. Und auch wie du annimmst, was ich auch denke, dass die da nur ein statisches lineares Modell verwendet haben. Dies liesse dann meist die Rückkoppelungen die zum Beispiel durch Zwangsverkäufe der Assets durch die in Schieflage geratenen Banken außen vor.

    Viel interessanter gewehsen wäre meiner Ansicht wenn man sich die Frage gestellt hätte was alles zum passieren müsste damit eine ausreichende Anzahl Banken zusammenbricht. Dann variert man die Stärke einer Rezession so lange bis diese kritische Anzahl erreicht ist. So hätte man dadurch eine verwertbare Aussage ab wann etwas kritisch wird und welche Szenarien unter allen Umständen verhindert werden müssen.

    Im übrigen wenn man schon die strengeren Basel III Kritieren mit 8% Tier 1 Kapital ansetzt anstatt der wie verwendeten Basel II Richtilinien mit 6% Tier 1 Anforderungen, wären statt der 7 schon ganze 39 Banken im dritten Szenario unterkapitalisiert. Man hat also nicht wirklich ein handfestes und belastbares Ergebnis durch den Test erreicht, eher die Parameter so gewählt das es gerade mal so gut geht.

  5. ulfh on Tue, 27th Jul 2010 21:19
  6. Das ist ganz schön schwierig mit den Zwangsverkäufen. Man müsste simulieren wieviel Cash beim Ausverkauf (für das Handaufhalten) da ist.

  7. Finanznachrichten.info on Fri, 17th Sep 2010 17:41
  8. Euro-Zone vor Belastungsprobe…

    Der Euro hat viel von seiner Stabilität verloren in den vergangenen Monaten. Eine schlechte Nachricht nach der anderen machte sich breit, Griechenland nahe an der Pleite, Spanien und Portugal auch am Rande eines Bankrotts. Der Euro verlor an Wert und s…

Sag mir deine Meinung und hinterlasse einen Kommentar...
und wenn du ein Bild neben deinem Kommentar anzeigen möchtest, dann hol dir einen gravatar!





Die Abgabe eines Kommentars ist freiwillig, durch das Absenden eines Kommentars willigen Sie in die Speicherung der eingegebenen Daten und der IP ein. Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.