Würde man BP eigentlich auch als too big to fail einstufen?
Für BP ist die immer weiter sprudelnde Quelle im Golf von Mexico ein immer größeres Desaster und der größtmöglich anzunehmende Image Gau. Dabei ist noch völlig unabsehbar wie groß am Ende die Zahlungen für BP ausfallen werden. Der Markt geht schon mitlerweile schon vom Schlimsten aus, die Preise für CDS auf BP Anleihen erreichen völlig absurde Höhen. So erreichten die CDS auf einjährige Anleihen Höhen von 1.000 Punkte und praktisch niemand wollte mehr welche verkaufen. Heute hat man sich zumindest auf eine Hausnummer der möglichen Schadenssumme geeinigt. BP zahlt 20 Milliarden Dollar in einen Fond ein, aus dem Schadensersatzanssprüche geklärt werden sollen. Auch streicht der Ölkonzern nun auch seinen Aktionären bis auf weiteres die Dividende.
Damit ist nun klar für BP geht es an die Substanz des Unternehmens. So sollen neben der Dividendenstreichung auch Firmenanteile im Wert von 10 Milliarden Dollar verkauft werden. Mit der eingefrorenen Dividende und den verkauften Firmenanteilen soll der Treuhandfonds in Höhe von 20 Milliarden Dollar gefüllt werden. Der Treuhandfond wird von Kenneth Feinberg geleitet, der auch schon den Kompensationsfonds für den 11. September geleitet hat. Auch wurde BP ein Kompensationsfonds aufgedrückt um Angestellte der Ölindustrie zu entschädigen, die durch die Katastrophe ihren Job verloren haben. Auch sind die bisherigen Fonds keine maximale Abgrenzung der Forderungen, sondern wenn Schaden in größeren Höhen anfallen wird BP verdonnert noch mehr zu bezahlen. Noch ist gar kein Ende der sprudelnden Ölquelle in Sicht, insbesondere wird auch von Experten die austretende Ölmenge nun als doppelt so hoch eingeschätzt. Staat 30.000 Barrel sollen nun 60.000 Barrel täglich aus der Ölquelle in den Golf von Mexiko sprudeln. Dies ist gar kein unwichtiges Detail, denn die auf BP zukommenden Strafzahlungen richten sich nach der ausgetretenen Ölmenge.

Auch wenn die Aktie vielleicht sogar vorläufig einen Boden gefunden hat, zumindest die RSI und MACD Indikatoren deuten darauf hin, so kann das Desaster für BP immer noch existenzbedrohend werden. Das man schon daran geht Firmenanteile zu verkaufen spricht eine klare Sprache. Die Reputation ist am Kapitalmarkt völlig ruiniert. CDS über 1000 Punkte für einjährige BP Anleihen sagen alles. Dieser Wert wurde nichtmal von Griechenland erreicht und die Ratingagenturen haben BP auch schon auf kurz vor Ramschniveau abgewertet. Doch was aber passiert wenn die Lasten durch das Ölleck für BP untragbar werden und die Firma vor dem Bankrott steht? Noch ist dies weit entfernt, machte man noch bis neulich zig Milliarden Gewinn. Allerdings das Loch ist noch nicht gestopft und es ist nicht sicher das die Entlastungsbohrung wirklich den Ölfluss wirklich völlig austrocknen kann. Bekommt BP dann auch einen Bailout wie zum Beispiel AIG, oder lässt man den verhassten Ölkonzern tatsächlich pleite gehen?
Das Beispiel AIG und BP ist in der Tat ein interessanter Vergleich. So hat man im System AIG lange völlig ungehemmt Risiken versichert, von denen man ausging, dass die nie eintreten werden. Zumindest nicht solange man selbst in der Firma wäre. Bei BP auch wenn die Firma deutlich mehr als andere bei den Sicherheitsbestimmungen geschlampt hat, so war es ein Unfall, also auch in gewissem Sinne ein Risiko das man völlig falsch eingeschätzt hat. Bei AIG hat man damals keinen Tag gezögert und hat diesen Konzern der maßgeblich mit an der Finanzkrise beteiligt war mit über 150 Milliarden vor der Pleite gerettet und verstaatlicht. Dabei haben sich die Topmitarbeiter die Taschen mit Boni vollgestopft und völlig unausreichende Risikovorsorge betrieben. Das man mit BP in gleicher Weise umgehen würde wage ich zu bezweifeln. Auch wenn BP natürlich nie im Leben so eine Katastrophe für möglich gehalten hat und nicht grob fahrlässig gehandelt hätte so ist BP der böse Bube. Geld das in der Finanzkrise verbrannte riecht man nicht und produziert keine grausigen Fernsehbilder.
Mehr zum Thema:
FTD: BP setzt Dividendenzahlung aus
ZeroHedge: BP CDS Curve Goes Nuts, 1 Year Passes 1,000 Bps, No Offers In Market
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Kommentare
2 Comments on Würde man BP eigentlich auch als too big to fail einstufen?
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Aus anderen Blogs | Kapitalmarktexperten.de on
Thu, 17th Jun 2010 09:07
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Before the Bell: DAX springt über 6.200 Punkte, BP erholt sich, US-Futures vor Konjunkturdatenflut im Plus | Die Börsenblogger on
Thu, 17th Jun 2010 13:17
[...] Das Öldesaster im Golf von Mexiko entwickelt sich zur Neverending-Story und wird für BP zur existenziellen Frage. Auch wir haben hier schön des Öfteren darüber geschrieben, auch andere Finanzblogger widmen sich intensiv diesem Thema. So fragt heute der Spekulantenblog, ob man “BP auch als too big to fail einstufen würde“? [...]
[...] Zunächst überwog die Sorge, angesichts der 20 Mrd. Dollar, die BP in einen Treuhandfonds einzahlen wird. Aber nichts hassen Börsianer mehr als Unsicherheit und die ist nun vorbei. Mit den Zahlungen können die Anleger rechnen, ebenso mit den ausbleibenden Dividenden. Damit ist die Katastrophe für den Markt kalkulierbar. Am Markt herrscht dementsprechend gute Laune vor. Die BP-Aktie gewinnt derzeit 7,5 Prozent hinzu. Das Handelsbkatt spricht zurecht von der 20-Milliarden-Dollar-Börsenparty. Weitere interessante Gedanken aus Anlegersicht findet man beim Spekulantenblog: Würde man BP eigentlich auch als too big to fail einstufen? [...]
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